Für die einen ist diese Reise eine Provokation, für die anderen eine Geste der engen Beziehungen zwischen dem Libanon und Iran: Während das pro-westliche Lager von Ministerpräsident Saad Hariri sowie die USA und Israel massiv gegen den Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad protestierten, hieß die Hisbollah-Miliz den Gast aus Teheran wie einen Volkshelden willkommen.

Empfangen wurde Ahmadineschad am Flughafen der libanesischen Hauptstadt von zwei Ministern der an der Regierung beteiligten radikalislamischen Miliz, die sich selbst als Widerstandsbewegung gegen Israel definiert und in ihrem Kampf gegen das "zionistische Regime" in Jerusalem traditionell von den schiitischen Glaubensbrüdern in Iran mit Waffen und Geld unterstützt wird. Zehntausende Anhänger der Organisation säumten die Route des Präsidenten, der in einem offenen Wagen in die Stadt fuhr. Sie warfen Reis und Rosenblüten und schwenkten iranische und libanesische Flaggen.

Für Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ist dieser "Empfang durch das Volk" eine "Ohrfeige für alle, die den Besuch kritisiert haben". Zuvor hatte er die Libanesen aufgerufen, sich massiv an dem Empfang zu beteiligen. Dabei sorgte die Miliz nicht nur für die Jubelmassen, sondern auch für die Sicherheit Ahmadineschads: Neben Soldaten sicherten Hisbollah-Mitglieder die Kolonne des Präsidenten und die Umgebung um dessen Hotel in der Innenstadt.

Es ist der erste Besuch des iranischen Präsidenten im Libanon seit seiner Wahl im Jahr 2005 und sorgte auch innerhalb des Landes für erhebliche Spannungen . Eine Gruppe von 200 ehemaligen Abgeordneten und Intellektuellen warf dem iranischen Präsidenten vor, er habe die innenpolitische Machtbalance gestört, indem er Hisbollah aufgerüstet habe. Der Vorsitzende der Christen-Partei Forces Libanaises, Samir Geagea, sagte: "Ahmadineschad wäre im Libanon willkommen, wenn er als Präsident Irans käme und nicht als Präsident von Teilen Libanons."

Überall im Land hingen Plakate, die von sunnitischen und christlichen Gegnern der Hisbollah aufgehängt worden waren. Auf ihnen sieht man das Konterfei des Iraners und die Aufschrift "Du bist hier nicht willkommen". Die Gruppe um Regierungschef Hariri wirft Iran vor, ihr Land zu einer "iranischen Basis" vor den Toren Israels machen zu wollen.

Am zweiten Tag seines Besuchs will Ahmadineschad, der für seine Hassreden gegen Israel bekannt ist, auch in den Süden reisen und dort Dörfer unweit der Grenze zu dem jüdischen Staat besuchen. Dies sorgte in Israel für Aufsehen. Ein rechtsgerichteter israelischer Abgeordneter rief gar dazu auf, den Präsidenten während seines Aufenthalts im Nachbarland zu töten. "Wenn sich Ahmadineschad, und sei es nur ein einziger Moment, im Visier eines Soldaten der israelischen Armee befindet, muss man unbedingt verhindern, dass er lebend nach Hause zurückkehrt", sagte Arie Eldad von der ultrarechten Oppositionspartei Nationale Union. Von der Regierung in Jerusalem gibt es bislang keine Reaktion. Sie schweigt seit Tagen zu der Reise Ahmadineschads.