Hunde und Waffen sind verboten. Aber rauchen darf man im Bemka kafana, einem schicken holzvertäfelten Kaffeehaus am Rande der Altstadt von Sarajevo. Predrag Kojovik, 45, dreht sich eine Zigarette. Hier Tabak, da Papier, ein paar Handgriffe, ein bisschen Spucke, zwei Dinge werden eins, werden etwas, das funktioniert. In diesem Fall ganz einfach.

Kojovik hat schulterlange, blonde Haare und wirkt so abgekämpft wie ein Rockgitarrist nach einer langen Tournee. Und irgendwie stimmt das auch, denn er ist viel herumgekommen. Er war jahrelang Kriegsreporter, berichtete erst für eine große Nachrichtenagentur von den Kriegen im zerfallenden Jugoslawien, später war er in Somalia, Ruanda, Pakistan und mehrmals im Irak. "Ich war als embedded journalist dabei, als 2004 Saddam Hussein gefangen wurde", sagt er. "Danach habe ich beschlossen, dass ich nicht mehr an Orte reise, an denen es nicht jeden Tag eine heiße Dusche gibt." Er ging nach Washington, war vier Jahre lang Korrespondent im Weißen Haus, dann war die Tournee 2008 beendet, er kehrte zurück. Nach Sarajevo. 

Die Politiker streiten nicht ab, kriminell zu sein. Sie sagen: Alle sind hier so.
Predrag Kojovik, Parteigründer

Hier ist er aufgewachsen, hier hat er Jura studiert und hier will er als Schriftsteller mit seiner amerikanischen Freundin leben. Doch der Zustand seines Landes hat ihn geschockt. "Es ist ein Ort, an dem man nicht leben kann", sagt Kojovik. "Ein gescheiterter Staat". Empört stellt er sein Tässchen mit dem türkischen Kaffee ab. Mit noch immer finsterem Blick schaut er auf das Treiben vor den großen Glasfenstern. Da spazieren Besucher in Richtung historischer Altstadt. Der Tourismus läuft langsam wieder an: Es herrscht reges Treiben in den engen Gassen mit Kunsthandwerksgeschäften und traditionellen Restaurants. Die Speisekarten sind meist zweisprachig. An den Souvenirständen gibt es Trikots des in Wolfsburg kickenden Nationalstürmers Džeko. Sie hängen direkt neben denen von Barça-Superstar Messi.

Der gescheiterte Staat. Weil hier nach dem Vertrag von Dayton Teile zu einem Ganzen werden sollten, es aber trotz vieler Handgriffe und einer Menge Spucke nicht wurden. Das Land steht weiter unter EU-Überwachung, die größte politische Macht hat Valentin Inzko, der Hohe Repräsentant der Union. Und immer noch sind 2000 Eufor-Soldaten hier stationiert. Es ist ein Land, das aus zwei Teilen besteht: der Föderation von Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska. In ihm leben muslimische Bosniaken, katholische Kroaten und orthodoxe Serben ohne jedes Wir-Gefühl nebeneinanderher. Hunderte Posten in den Verwaltungen werden nach ethnischen Schlüsseln vergeben, in Gebieten mit gemischter Bevölkerungsstruktur wird der Schulunterricht oft nach Volksgruppen getrennt durchgeführt, Lehrpläne und Schulbücher sind unterschiedlich. Dazu kommt die wild wuchernde Bestechungskultur.

Transparency International führt Bosnien und Herzegowina auf seiner aktuellen Korruptionsliste zusammen mit Ländern wie Sambia, Jamaika oder der Dominikanischen Republik auf Rang 99. Selbst in Rumänien, Griechenland oder Kolumbien wird demnach weniger bestochen. "Die Politiker streiten auch gar nicht ab, dass sie kriminell sind", sagt Predrag Kojovik wütend. "Ihre Verteidigung lautet: Das machen schließlich alle hier."