Proteste meuternder Sicherheitskräfte hatten Ecuador an den Rand eines Putsches geführt. Aufständische Soldaten stürmten den Kongress und hielten stundenlang Präsident Rafael Correa in einem Krankenhaus fest. Inmitten heftiger Schusswechsel wurde nun der 47-Jährige von regierungstreuen Soldaten befreit und im Süden der Hauptstadt Quito in Sicherheit gebracht.

"Wir haben ihn herausgeholt", sagte Vize-Innenminister Edwin Jarrin. Correa verließ das Polizeikrankenhaus in der Hauptstadt Quito am Donnerstagabend unter dem Schutz von Soldaten. Wenig später sprach er vom Balkon des Präsidentenpalastes zu seinen Anhängern und dankte ihnen für ihre Unterstützung, während er fast zwölf Stunden in dem Spital festgesessen hatte. Durch den Schusswechsel zu seiner Befreiung sei ein Polizist getötet worden, sagte er. Unter den regierungstreuen Soldaten gebe es fünf Verletzte. "Das war einer der traurigsten Tage meines Lebens", sagte er.

Correa wurde in das Polizeikrankenhaus gebracht, nachdem vor einer Kaserne eine Tränengasbombe vor seinen Füßen explodiert war. Im Fernsehen sprach der Präsident von einem "Putschversuch" und sagte, sein Leben sei in Gefahr. "Polizisten versuchen, über das Dach in mein Zimmer zu gelangen", sagte er. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus. Nach fünfeinhalb Stunden äußerte sich Correa erneut über das Fernsehen und sagte, Hunderte Polizisten blockierten die Ausgänge des Krankenhauses. "Ich gehe hier als Präsident heraus oder tot", sagte er weiter.

Zuvor hatten 150 aufständische Soldaten der Luftwaffe aus Wut über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz über Kürzungen von Gehaltszuschlägen den internationalen Flughafen der Hauptstadt Quito besetzt. Polizisten stürmten das Kongress-Gebäude, während in den Städten Guayaquil und Cuenca die Polizei Kommissariate besetzte. Armeechef Ernesto Gonzalez stellte sich hinter den Präsidenten. Auch Polizeichef Freddy Martinez sagte, die Sicherheit Correas sei gewährleistet. Nach Angaben von Quitos Bürgermeister Augusto Barrera wurde der Flughafen der Hauptstadt am Nachmittag wieder geöffnet.

Vor dem Krankenhaus kam es zu Zusammenstößen zwischen aufständischen Polizisten und Anhängern Correas, die vor das Gebäude gezogen waren. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden zwei Menschen getötet und mindestens 50 Menschen verletzt. Polizisten warfen nach Angaben von Augenzeugen Tränengasbomben, um die Anhänger auseinanderzutreiben. Präsidenten-Anhänger berichteten von Gewalt durch die Polizisten.

Die Meuterer hatten von Anfang an gesagt, dass sie keine politischen Absichten hätten, sondern es ihnen nur um die Wahrung ihrer Einkommen gehe. Auch aus den Reihen der Opposition hatte niemand von einem Umsturz gesprochen oder den Rücktritt Correas oder Neuwahlen gefordert.

Die USA sicherten Correa ihre Unterstützung zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der Ereignisse "sehr beunruhigt" und rief alle Beteiligten dazu auf, die Krise friedlich beizulegen. Auch zahlreiche lateinamerikanische Staatschefs bekundeten Correa ihre Unterstützung. In Buenos Aires begann eine Dringlichkeitssitzung der Union der südamerikanischen Nationen (Unasur). Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wollte rasch über die Krise beraten. Peru und Kolumbien schlossen ihre Grenzen zum Nachbarland.

Correa regiert Ecuador seit Januar 2007. Bei Neuwahlen 2009 wurde der Sozialist für vier Jahre wiedergewählt. Die politische Lage in dem 14-Millionen-Einwohner-Land ist seit Langem instabil. In den vergangenen 13 Jahren wurde Ecuador von acht verschiedenen Präsidenten regiert.