Wie der Präsident des Norwegischen Nobel Komitees zur Vergabe des Friedensnobelpreises, Thorbjoern Jagland, in Oslo mitteilte, erhält der Chinese den Preis für seinen "langen gewaltlosen Kampf" für die Menschenrechte in seinem Land.

Der 54-Jährige war im vergangenen Dezember wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist Mitverfasser der Charta 08, eines Manifests chinesischer Intellektueller und Bürgerrechtsaktivisten, das tief greifende politische Reformen in China fordert. Bereits wegen seiner Beteiligung an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Tiananmen-Platz hatte Liu Xiaobo 1989 im Gefängnis gesessen. Auch in den neunziger Jahren wurde er für 20 Monate inhaftiert und verbrachte drei Jahre im Arbeitslager und mehrere Monate unter Hausarrest.

Der Schriftsteller galt bereits vor Bekanntgabe als Favorit für die Auszeichnung. Wenige Stunden zuvor hatte Komitee-Präsident Jagland von einer sehr kontroversen Entscheidung des Komitees gesprochen. Die Wahl werde "eindeutig" ähnlich umstritten sein, wie die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama vergangenes Jahr, hatte er in einem Fernsehinterview gesagt. "Sie werden verstehen, sobald Sie den Namen hören."

Die chinesische Regierung hatte in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie eine Auszeichnung Lius als "unfreundlichen Akt Norwegens" betrachten würde. Doch das Nobelpreis-Komitee trotzte dieser indirekten Drohung, die eine Verschlechterung der Beziehung beider Länder mit sich bringen könnte.

Chinesische Bürgerrechtler freuten sich über die Auszeichnung. "Es ist eine Ermutigung für die Demokratiebewegung", sagte der langjährige Rechtsaktivist Yao Lifa.

Die Frau des neuen Friedensnobelpreisträgers, Liu Xia, wurde von der Entscheidung überrascht. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er den Nobelpreis gewinnen würde", betonte sie: "Deswegen ist es umso schwerer, mir vorzustellen, wie sich alles entwickeln wird, nachdem er ihn bekommen hat." Die chinesische Staatssicherheit hatte Liu Xia am Abend vor der Vergabe des Preises wegen des großen internationalen Medieninteresses aufgefordert, Peking zu verlassen. Doch sie weigerte sich.

Liu Xia sagte weiter, die geistige Verfassung ihres Mannes sei recht gut. Er leide aber in der Haft immer wieder unter Magenproblemen.

Die Liste der Kandidaten für den diesjährigen Friedensnobelpreis war mit 237 Nominierungen, darunter 38 Organisationen, so lang wie noch nie. Auch Altbundeskanzler Helmut Kohl war wegen seiner Verdienste um die Deutsche Einheit als Favorit gehandelt worden, ebenso wie die afghanische Ärztin und Frauenrechtlerin Sima Samar.

Im vergangenen Jahr hatte Obama den Preis zuerkannt bekommen. Geehrt wurde er für seinen Einsatz gegen Atomwaffen und die Tatsache, dass er schon kurz nach seinem Amtsantritt eine neue und kooperationsbereitere Atmosphäre in der internationalen Politik verbreitet habe. Die Entscheidung des Komitees sorgte weltweit für große Überraschung und Kontroversen. Der US-Präsident war noch nicht einmal neun Monate im Amt, als ihm die große Ehre zuteil wurde. Zudem führte er im Irak und in Afghanistan zwei von seinem Vorgänger geerbte Kriege weiter.

Der Friedensnobelpreis ist eine Auszeichnung für besondere Verdienste in der Friedensarbeit. Er wurde von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestiftet. Die Preisverleihung findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, in Oslo statt.