Nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Menschenrechtler Liu Xiaobo haben die chinesischen Behörden dutzende Aktivisten festgenommen. Die Polizei habe am Freitagabend in Peking und anderen Städten bei Feiern anlässlich der Auszeichnung des inhaftierten Dissidenten mehrere Dutzend Teilnehmer abgeführt, sagten Menschenrechtler der Nachrichtenagentur AFP.

"Dies verursacht der Regierung große Kopfschmerzen", sagte der bekannte Menschenrechtsanwalt Teng Biao. "Sie will nicht, dass die Menschen von dieser Geschichte erfahren. Nichts davon wird in der Presse berichtet." Peking hat die Entscheidung des norwegischen Nobel-Komitees scharf verurteilt und jede Berichterstattung darüber unterbunden. Auch im Internet waren in China zu dem Thema kaum Informationen zu finden.

Nach Informationen einer Menschenrechtsorganisation in Hongkong ist am Samstag Liu Xia, die Frau Liu Xiaobos, in der nordostchinesischen Provinz Liaoning eingetroffen, wo ihr Mann inhaftiert ist. Sie will Liu, der bisher offenbar nicht über seine Auszeichnung informiert ist, am Sonntag besuchen. Zuvor hatten Nachrichtenagenturen berichtet, Liu Xia sei von Pekings Staatssicherheit wegen des erwarteten Medienrummels aufgefordert worden, die Stadt zu verlassen.

Der 54-jährige Friedensnobelpreisträger und Initiator der Charta 08 , einem Aufruf für Demokratie, sitzt derzeit eine elfjährige Haftstrafe wegen Untergrabung der Staatsgewalt ab.