In Großbritannien kursieren dunkle Ahnungen vom unaufhaltsamen Niedergang des einst so stolzen Landes. Erst die horrende Finanzkrise, nun das absolut zwingende Gebot zu sparen und sehr viel kleinere Brötchen zu backen. Das ist schmerzlich für eine Nation, die noch vor 70 Jahren ein weltumspannendes Empire ihr Eigen nannte. Jetzt, so scheint es, werden ihr sogar die Träume ausgetrieben, sie könnte zumindest – wie in den Nachkriegsjahrzehnten – eine Sonderrolle unter den europäischen Mittelmächten spielen. So, wie es der frühere Außenminister Douglas Hurd passend umschrieben hatte, "in einer höheren Gewichtsklasse boxen".

Das ist vorbei. Großbritannien dürfte in Zukunft nicht in der Lage sein, einen Krieg um die Falkland-Inseln zu führen, geschweige denn zu gewinnen. Dafür benötigte man Flugzeugträger und Kampfflugzeuge. Doch ist der Sparzwang so groß, dass für rund zehn Jahre kein Flugzeugträger mit Kampffliegern zur Verfügung stehen wird. Britische Jets werden bis zu diesem Zeitpunkt über die Welt verteilt, auf Stützpunkten "befreundeter Nationen".

Gewiss besitzt Großbritannien nach wie vor besonders kampferprobte und schlagkräftige Truppen. Doch bei den Einsätzen im Irak und in Afghanistan offenbarten sich bereits gravierende Mängel – es haperte selbst in wirtschaftlich noch rosigen Zeiten an ausreichend Soldaten wie an Ausrüstung. Ein britischer Militärexperte verglich angesichts der Bilanz, die nun gezogen wurde und zu drastisch reduzierten Verteidigungsausgaben über die kommenden Jahre führen wird, die britische Situation mit Rom in der Endphase. Der Niedergang des römischen Imperiums sei auch auf Komplexität und overstretch zurückzuführen gewesen, das Reich war überfordert. Der Vergleich mag nicht ganz passen, aber zumindest enthält er einige richtige Elemente. Großbritanniens Streitkräfte leiden seit geraumer Zeit schon unter chronischem Geldmangel, wie die jüngsten Kriegseinsätze bewiesen.

Hinzu kommt ein permanentes Problem mit den Beschaffungskosten. Im militärisch-industriellen Komplex herrscht kaum Wettbewerb, Entscheidungen treffen Bürokraten, die Kosten, ob für Kampfflieger oder Flugzeugträger, schnellen in schwindelerregende Höhen, viel höher als veranschlagt. Das war auch hier gegeben, wobei im Fall der beiden neuen Flugzeugträger erschwerend hinzukam, dass es teurer gewesen wäre, den Auftrag zu stornieren. Ein anderes Dauerproblem: die Teilstreitkräfte verteidigen verbissen ihr Terrain und Großprojekte, unabhängig davon, ob diese noch in die strategische Landschaft passen oder nicht.

Als vollkommen ungeklärt offenbarten sich bei der Vorlage des Überblicks die künftigen strategischen Prioritäten und potenziellen Bedrohungen. Neue Gefahren, ob Cyberwarfare , Terrorismus mit biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen, Pandemien oder globale Naturkatastrophen, tauchen am Horizont auf. Zugleich lässt sich immer weniger mit Gewissheit voraussagen, was die Zukunft bringen wird und welche Rüstungsentscheidungen heute unbedingt zu fällen sind.

Gilt es, für einen Krieg zwischen Nationen gewappnet zu sein, eine Idee, die vielen abwegig erscheinen mag, die aber angesichts der "Rückkehr der Geschichte" durchaus in Rechnung gestellt werden muss? Braucht man dafür atomare Waffen, und muss London deshalb weiterhin Milliarden für Trident ausgeben? Oder sind sie, wie Kritiker der britischen Nuklearstreitmacht meinen, längst obsolet geworden, zumal angesichts der neuen "asymmetrischen Kriege" gegen einen Gegner, der sich terroristischer Mittel bedient und die technologische Überlegenheit westlicher Truppen unterläuft? Man behilft sich damit, dass die Entscheidung über Trident aufgeschoben wird.

Wie auch immer die Antwort lauten wird – Hillary Clinton beging bewusst einen diplomatischen Fauxpas, als sie sich in der letzten Woche in die britische Strategiedebatte einmischte und vor allzu drastischen Einschnitten bei Militärausgaben warnte. Die USA sorgen sich um die militärische Handlungsfähigkeit ihres engsten und verlässlichsten Alliierten. Die acht Prozent reale Kürzung scheint zu signalisieren, dass das Militär insgesamt noch glimpflich davon gekommen ist. Doch der Eindruck täuscht. Seit Jahren schon ist der Verteidigungsetat geschrumpft. Der Trend setzt sich nun beschleunigt fort. Großbritannien wird notgedrungen eine bescheidenere Rolle spielen auf internationaler Bühne.