Es ist mindestens der vierte Angriff auf Nachschublieferungen für die Nato-Truppen an der pakistanischen Grenze zu Afghanistan seit vergangener Woche: Wie die Polizei mitteilte, griffen Bewaffnete in der Nacht im nordwestlichen Distrikt Nowshera am Straßenrand geparkte Lastwagen an und setzen mehr als 50 davon in Brand.

Zwei Soldaten seien bei dem Angriff getötet worden. Den Angaben zufolge fehlte der örtlichen Feuerwehr ausreichend Gerät, um die Brände zu löschen.

In den vergangenen Tagen waren Nato-Lastwagen in Pakistan mehrfach das Ziel von Angriffen. Zuletzt hatten radikalislamistische Aufständische am Mittwoch nahe der südwestpakistanischen Stadt Quetta Fahrzeuge in Brand gesetzt . Laut Polizei eröffneten etwa zehn Angreifer das Feuer auf ein Gelände, auf dem bis zu 40 Tanklaster geparkt waren.

Stunden später griffen Aufständische auch ein Depot im nordwestpakistanischen Nowshera an und schossen Fahrzeuge in Brand. Schon am Freitag waren etwa 30 Tanklaster in der südpakistanischen Stadt Shikarpurin Flammen aufgegangen. Insgesamt kamen bei den Überfallen seit Freitag sechs Menschen ums Leben. Mehr als 100 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt.

Die Nato-Truppen in Afghanistan beziehen etwa 70 Prozent ihres Nachschubs auf dem Landweg über Pakistan . Die Transporte sind erschwert, seit die Regierung in Islamabad vor einer Woche die wichtigste Route über den nordwestlichen Grenzübergang Torkham am Khyber-Pass für Nato-Nachschub sperrte. Tausende Lastwagen warten seitdem in der Region auf die Weiterfahrt.

Grund für die Schließung war der Beschuss eines Grenzpostens durch Nato-Hubschrauber aus Afghanistan, bei dem drei pakistanische Soldaten getötet starben. Die Tötungsaktionen durch Nato-Soldaten steigern den Ärger im Land. Viele Pakistaner, längst nicht nur extremistische Islamisten, fordern seit geraumer Zeit, die Regierung müsse sich gegen die fortwährende Verletzung der pakistanischen Souveränität durch die Drohnenangriffe mit wirksamen Mitteln wehren. Durch die unbemannten Flugzeuge sind zwischen 2004 und September 2010 etwa 1800 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 30 Prozent der Todesopfer waren Schätzungen zufolge nicht beteiligte Zivilisten.

Abseits der offiziellen Bewertungen gibt es aber auch Hinweise darauf, dass der pakistanische Geheimdienst selbst die US-Streitkräfte gezielt mit Zielinformationen für ihre Militärschläge versorgt. In den vergangenen Tagen gab es Geheimdienstinformationen, dass die USA mit einer Drohne mehrere deutsche Islamisten getötet hätten.

Die USA versuchten sich in Schadensbegrenzung: Die US-Botschafterin in Islamabad, Anne Patterson, entschuldigte sich bei den pakistanischen Verbündeten für die Aktion, wie die Washingtonpost berichtete. Dennoch belastet die Schließung das Verhältnis von USA und Pakistan.

CNN berichtete über eine interne Studie des Weißen Hauses, in der der pakistanischen Regierung vorgeworfen wird, nicht entschieden genug gegen Extremisten vorzugehen.

Die Nato rechnet durch die Schließung der Khyber-Route mit keinen Beeinträchtigungen ihres Einsatzes. "Die Isaf-Operationen hier in Afghanistan sind von all diesen Ereignissen nicht betroffen", sagte ein Sprecher. Mit dem Abschluss der laufenden Untersuchungen zu einem US-Luftangriff, der Pakistan aus Verärgerung darüber zur Schließung der Route veranlasst hatte, rücke auch die Öffnung der Route in greifbare Nähe, sagte er.