Das juristische Tauziehen um die Aufnahme von offen homosexuellen Soldaten in die US-Streitkräfte geht weiter. Ein Berufungsgericht im Bundesstaat Kalifornien hat entschieden, dass die Militärbehörden Rekruten bis auf weiteres verwehren dürfen, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Damit wurde die Regelung des "Don't ask, don't tell" (Frage nicht, sage nichts) zunächst wieder in Kraft gesetzt, die erst in der vergangenen Woche von einer Richterin als verfassungswidrig eingestuft worden war.

Die bisher angewandte Regelung besagt, dass die Armee Bewerber und Soldaten nicht nach ihrer sexuellen Orientierung fragen darf. Schwule und lesbische Soldaten mussten im Gegenzug ihre sexuelle Orientierung in den Streitkräften geheim halten. Erst am Dienstag hatte eine Richterin des Bezirksgerichts Los Angeles ein früheres Urteil bekräftigt, wonach der bislang praktizierte Ausschluss offen homosexueller Soldaten sofort beendet werden müsse.

In Reaktion auf das Urteil hatte die Armee erstmals in ihrer Geschichte offen homosexuelle Soldaten aufgenommen. Die Rekrutierungsstellen seien angewiesen worden, "die Bewerbungen von offen schwulen oder lesbischen Antragstellern zu bearbeiten", teilte das Verteidigungsministerium mit. Das Pentagon wies die Rekrutierer jedoch zugleich an, Bewerber darauf hinzuweisen, dass die neue Praxis im Umgang mit Homosexuellen noch nicht dauerhaft sei und durch höhere Gerichtsinstanzen wieder geändert werden könnte. Die Regierung stellte gegen die Anordnung aus Kalifornien einen Eilantrag.

Präsident Barack Obama betont zwar immer wieder, er wolle den Schwulen-Bann abschaffen . Die Regierung lehnte die gerichtliche Anordnung aus Kalifornien aber ab, weil das Pentagon erst neue Regelungen erarbeiten will. Verteidigungsminister Robert Gates hatte solche neuen Regelungen bereits angekündigt. Die Regierung will zudem, dass die Verfahrensweise per Gesetzesänderung geändert wird und nicht aufgrund eines Gerichtsbeschlusses.

Die "Don't ask, don't tell"-Regelung war 1993 als Kompromisslösung eingeführt worden. Infolge der Regelung mussten inzwischen etwa 14.000 Soldaten ihren Dienst bei der US-Armee quittieren. Umfragen zufolge ist eine deutliche Mehrheit der US-Bürger dafür, dass Soldaten sich künftig offen zu ihrer Homosexualität bekennen dürfen.