Ungeachtet der rigiden Sparpolitik haben die Letten die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Valdis Dombrovskis für eine weitere Amtszeit wieder gewählt. Kurz vor Abschluss der Stimmenauszählungen lag sein Einheitsblock mit 30 Prozent deutlich vor dem oppositionellen Harmoniezentrum mit 25,8 Prozent, das gute Verbindungen zu Moskau hat. Dombrovskis sagte, die Bevölkerung des angeschlagenen EU-Mitgliedsstaates habe "deutlich für Stabilität gestimmt" und Populisten eine Absage erteilt.

Einschließlich kleinerer Parteien verfügt Dombrovskis Mitte-Rechts-Koalition über 62 von 100 Sitzen im neu gewählten Rigaer Parlament. Bisher hatte die Regierung nur 47 Sitze und war bei Entscheidungen auf die Unterstützung der Opposition angewiesen. Für Sonntag waren erste Koalitionsgespräche zwischen den drei Parteien angesetzt.

Als einzige weitere Formation schaffte das rechtsgerichtete Oppositionsbündnis "Für ein gutes Lettland" den Sprung ins Parlament, musste allerdings massive Verluste einstecken. Die Beteiligung lag mit 62 Prozent etwas höher als bei der Wahl vor vier Jahren. Insgesamt waren etwa 1,5 Millionen der 2,2 Millionen Letten wahlberechtigt.

"Ich danke den Wählern für ihre Unterstützung", sagte Dombrovskis in seinem Wahlkampfhauptquartier in Riga. Der Ministerpräsident ist mit seinen 39 Jahren der jüngste Regierungschef Europas, das Amt führt er seit März 2009. Damals war eine andere Mitte-Rechts-Koalition wegen der Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise auseinander gebrochen.

Im Zentrum des Wahlkampfes stand die schwere Wirtschaft- und Finanzkrise in dem baltischen Land. Lettland wurde im vergangenen Jahr von der Finanzkrise härter getroffen als alle anderen EU-Staaten und an der Rand des Staatsbankrotts gebracht. Die Wirtschaft schrumpfte in den Jahren 2008 und 2009 um fast ein Viertel, die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich auf 20 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU sprangen Riga mit einen Kredit in Höhe 7,5 Milliarden Euro zur Seite, knüpften die Hilfe aber an strenge Sparauflagen. Die Letten mussten empfindliche Gehaltseinbußen und Steuererhöhungen hinnehmen.

Dombrovskis hatte ein betont hartes Sparprogramm mit Krankenhausschließungen, Massenentlassungen von Lehrern und drastischen Einkommenskürzungen im Staatsdienst durchgesetzt und will die Konsolidierung der Staatsfinanzen weiter auch mit unpopulären Maßnahmen vorantreiben.Mittlerweile sind auch in Lettlands Wirtschaft Zeichen einer Erholung bemerkbar.