Die USA haben Berichten zufolge während des Irakkrieges über Misshandlungen von Häftlingen durch irakische Polizisten und Soldaten Bescheid gewusst, diese Vorfälle aber weitgehend ignoriert. Das geht aus rund 400.000 geheimen Dokumenten des US-Militärs hervor, die von der Internet-Plattform Wikileaks veröffentlicht wurden.

"Diese Veröffentlichung zeigt nur die Wahrheit", sagte Julian Assange, der Mitbegründer der Enthüllungsplattform, in London zu den Irak-Dokumenten. In Zeiten des Krieges werde die Wahrheit bereits lange vor Beginn des Einsatzes bedroht. "Wir hoffen, dass wir einige dieser Angriffe auf die Wahrheit korrigieren können."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte dazu, die USA hätten offenbar gegen internationales Recht verstoßen, als sie Tausende Gefangene an die irakischen Behörden übergeben hätten. Es sei bekannt, dass Gefangene in irakischen Haftanstalten und geheimen Gefängnissen in schockierendem Ausmaß gefoltert und misshandelt worden seien. Amnesty International und der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, forderten die USA  auf, die Übergriffe in irakischen Gefängnissen zu untersuchen.

Die veröffentlichten Dokumente wurden einige Medien wie auch dem Spiegel vorab zur Verfügung gestellt. Deren Berichten zufolge vermittelten sie kein völlig neues, aber ein sehr detailliertes Bild über die Vorgänge im Irak und über die zahlreichen zivilen Opfer des Krieges.

Die Unterlagen stammen laut Wikileaks aus "einer Datenbank des Pentagon" aus der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009. Sie dokumentieren den blutigen Alltag des Krieges und illustrieren die Hilflosigkeit der US-Truppen angesichts des zunehmenden Chaos im Irak.

Belegt werden brutale Folterungen Inhaftierter durch irakische Sicherheitskräfte. Wikileaks sprach von "zahlreichen Fällen von Kriegsverbrechen" . Aus den Dokumenten geht zudem hervor, dass die US-Armee trotz ihres Wissens nicht einschritt.

In einem Bericht von US-Militärs wird etwa beschrieben, wie in einem Gefängnis in Bagdad 95 Gefangene mit verbundenen Augen ausharren mussten. Viele hätten Brandverletzungen durch Zigaretten, Blutergüsse durch Schläge und offene Wunden gehabt.

Die Unterlagen dokumentieren auch, dass an Straßensperren mit US-Soldaten hunderte irakische Zivilisten getötet wurden. Einer internen Aufstellung der Armee zufolge wurden zwischen 2003 und 2009 insgesamt etwa 109.000 Iraker getötet, 63 Prozent von ihnen Zivilisten.