Mehrere Medien – darunter der Spiegel, der britische Guardian und die New York Times – hatten zuvor mehrere Wochen lang die Gelegenheit, die Berichte auszuwerten. Die Dokumente umfassen den Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2009. Wer sie Wikileaks zugespielt hat, ist unbekannt.

Es sind Berichte von der Front in einem zunehmend chaotisch werdenden Krieg, Momentaufnahmen aus erster Hand. US-Soldaten verzeichnen jeden einzelnen Zwischenfall, jeden Anschlag und jeden Feindkontakt. So zeichnen die Dokumente ein Gesamtbild von massiver Gewalt und Chaos im Irak. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Folter von Gefangenen

Allein in 1764 Berichten kommt der Begriff "Folter" explizit vor, dazu kommt eine Vielzahl von Dokumenten, in denen die Misshandlung von Gefangenen zum Thema gemacht wird, ohne dies direkt als Folter zu bezeichnen. Die Dokumente zeigen, dass irakische Sicherheitskräfte in größerem Ausmaß als bisher bekannt für Folter und Misshandlungen von Gefangenen verantwortlich sind.

So heißt es in einem Bericht vom 25. Mai 2006, ein Iraker sei in Baquba der Provinz Diyala von irakischen Soldaten in seinem Haus festgenommen und dann monatelang in einem unterirdischen Bunker gefangengehalten worden. Dort sei er von Angehörigen der irakischen Armee gefoltert worden. Er wurde mit zusammengebundenen Händen an die Decke gehängt, mit einem Rohr an Rücken und Beinen geschlagen, außerdem verletzten seine Folterer seine Beine mit einer Bohrmaschine. Später sei der Häftling von US-Kräften versorgt worden, heißt es in dem Bericht. Die Papiere wurden an die zuständigen Stellen geschickt. Ob eine Untersuchung des Falls eingeleitet wurde, ist nicht bekannt.

Doch aus den Geheimdokumenten geht Medienberichten zufolge auch hervor, dass die US-Truppen solchen Vorwürfen in vielen Fällen nicht nachgegangen sind. So zitiert der Guardian aus einem Befehl vom Juni 2004, in dem die US-Truppen angewiesen wurden, Verstöße gegen das Recht in bewaffneten Konflikten – wie etwa die Misshandlung von Gefangenen – nicht zu untersuchen, wenn nicht Koalitionstruppen direkt beteiligt seien.