Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Chinas Interesse an Afrika weiter gesteigert. Die chinesisch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich bereits seit zehn Jahren rasant: China war 2008 mit einem Handelsvolumen von rund 100 Milliarden Dollar der zweitgrößte einzelstaatliche Handelspartner Afrikas, nach den USA und vor Frankreich. Auch Direktinvestitionen, Kredite und Entwicklungsfinanzierungen sind deutlich gestiegen.

Global betrachtet war Afrika für die chinesische Wirtschaft jedoch eher unbedeutend. Sie exportierte vor allem nach Europa, Japan oder in die USA. Da von der Krise nun gerade die Industrieländer betroffen sind, gewinnen Wirtschaftsbeziehungen zu Schwellen- und Entwicklungsländern für China neue Relevanz. Chinesische Unternehmer, aber auch Banken und das Handelsministerium sehen in vielen afrikanischen Ländern ein großes wirtschaftliches Potenzial.

China ist kein monolithischer Akteur

In der öffentlichen Diskussion wird oft unterstellt, dass die chinesische Regierung so etwas wie eine Grand Strategy für Afrika habe und die Aktivitäten verschiedener Akteure gezielt koordiniere, um wirtschaftliche und politische Ziele zu erreichen. Diese Wahrnehmung wird durch verschiedene Faktoren unterstützt. Im Unterschied zu westlichen Staaten sind in China verschiedene Politikbereiche wie Handel, Investitionen und Entwicklungspolitik eng miteinander verknüpft. Die chinesische Regierung nutzt dabei Diplomatie als Instrument, um ein positives Klima für Wirtschaftsbeziehungen zu schaffen. Zudem ist der Anteil der chinesischen staatlichen Akteure in Afrika relativ hoch, was den Eindruck einer gelenkten staatlichen Politik zusätzlich stützt.

Jedoch wird in dieser Debatte oft übersehen, dass China kein monolithischer Akteur ist. Chinesische Akteure verfolgen unterschiedliche Interessen in Afrika, die teilweise in Konkurrenz oder Konflikt zueinander stehen. Chinesische Unternehmen – auch Staatsunternehmen – stehen untereinander in einem harten Konkurrenzkampf, beispielsweise im Infrastruktursektor. Auch Ministerien wie das Außen- und das Handelsministerium haben zum Teil unterschiedliche Interessen. Während das Außenministerium beispielsweise primär um ein positives internationales Bild Chinas bemüht ist, hat das Handelsministerium vor allem wirtschaftliche Interessen Chinas im Blick. Das Konfliktpotenzial, das sich daraus ergeben kann, hat sich unter anderem in der Politik gegenüber Sudan gezeigt.

Entwicklungspolitische Effekte

Chinas Politik hat unterschiedliche Konsequenzen für verschiedene afrikanische Länder, Politikbereiche und Akteure. Im Textilsektor beispielsweise profitieren Konsumenten von günstigen Importen, einige lokale Unternehmer werden hingegen durch die chinesische Konkurrenz verdrängt. An anderen Stellen schaffen chinesische Investitionen neue Arbeitsplätze. Chinesische Investitionen in Staudämme stellen zusätzliche, benötigte Ressourcen bereit; Auswirkungen für die Umwelt wiederum hängen oft von den staatlichen Rahmenbedingungen in afrikanischen Ländern ab. Der globale Aufstieg Chinas bringt zudem indirekte Effekte für afrikanische Länder: chinesische und afrikanische Produzenten konkurrieren auf Drittmärkten, und die chinesische Währungspolitik hat Folgen für die Konkurrenzfähigkeit afrikanischer Produkte.

Kaum gesicherte Kenntnisse gibt es zu den Auswirkungen chinesischen Engagements auf Regierungsstrukturen in afrikanischen Ländern. Auch wenn die chinesische Regierung scheinbar nicht aktiv versucht, ein politisches oder wirtschaftliches Modell in Afrika zu fördern, hat sie durch die Vergabe von Krediten oder Investitionen (ähnlich wie andere externe Akteure) Auswirkungen auf Regierungsstrukturen und kann beispielsweise afrikanische Regierungseliten finanziell entlasten, die intern unter Druck stehen. In ihrer Gänze sind die entwicklungspolitischen Auswirkungen bislang kaum abzuschätzen. Bereits jetzt besteht allerdings wenig Zweifel, dass Chinas Engagement viele Lebensbereiche in afrikanischen Ländern nachhaltig verändert.