Bei den international kritisierten Wahlen in Birma haben mehrere Ex-Generäle erwartungsgemäß Mandate gewonnen. Sie waren bei diesen ersten Wahlen in dem südostasiatischen Land seit 20 Jahren für die vom Militär gegründete Partei USDP angetreten. Die Vertrauten von Junta-Chef Than Shwe, Shwe Mann und Tin Aung Myint Oo, gewannen in der Hauptstadt Naypyidaw, wo fast ausschließlich Regierungsangehörige und Verwaltungsbeamte wohnen. Siegreich waren dort nach Angaben von Beamten auch Ministerpräsident Thein Sein und Außenminister Nyan Win.

Verdeckte Wahlbeobachter verschiedener Exil-Medien hatten von Unregelmäßigkeiten in der Stimmabgabe berichtet. So seien manche Wahlurnen schon am frühen Morgen fast voll gewesen. Doch es gab keine Schlangen vor den Wahllokalen. Staatsangestellte und Militärangehörige berichteten hinter vorgehaltener Hand, dass sie zur Stimmabgabe für die USDP gezwungen worden seien. Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Schätzungen bei rund 60 Prozent – ungewöhnlich niedrig in einem Land, das erstmals seit 20 Jahren wählt. Dies könnte auf einen Boykottaufruf von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zurückgehen. Die 65-Jährige ist unter Hausarrest eingesperrt, ihre Partei NLD war zur Auflösung gezwungen worden. Suu Kyi müsste eigentlich am Samstag freigelassen werden, doch hat die Junta in vergangenen Jahren immer Vorwände gefunden, ihren Hausarrest zu verlängern. Die Nobelpreisträgerin hat 15 der vergangenen 21 Jahre isoliert in ihrem Haus verbracht.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Wahl als alles andere als fair und frei. Die Splitterpartei der aufgelösten Nationalliga für Demokratie (NLD), die NDF, malte sich in der Hafenstadt Rangun Siegchancen in 18 der 37 Wahlkreise aus, in denen sie angetreten war. Offiziell gewann die NDF bis zum Mittag drei Sitze im Oberhaus, acht Sitze im Unterhaus und vier Sitze in Regionalparlamenten. Insgesamt waren mehr als 1100 Sitze zu vergeben, knapp 500 davon in den zwei Kammern des nationalen Parlaments. Dort und in den Regionalparlamenten behält sich das Militär ein Viertel aller Sitze vor. Wann das endgültige Ergebnis vorliegt, ist ungewiss.

Als Reaktion auf die Wahl sind an der Grenze zu Thailand heftige Kämpfe zwischen dem Militär und Rebellen der Karen-Minderheit ausgebrochen. Tausende Zivilisten flüchteten über die Grenze, berichteten thailändische Behörden. Bei den Kämpfen schlugen am Grenzort Mae Sot auf thailändischer Seite M-79-Granaten ein, berichtete der Bezirksvorsteher Kittisak Thomornsak. Mindestens 10.000 Menschen seien geflüchtet. "Der Strom reist nicht ab", sagte er. Die Auseinandersetzungen begannen am Sonntag, als eine Splittergruppe der "Karen Buddhisten-Armee" (DKBA) aus Protest gegen die Wahlen in Myawaddy an der Grenze eine Polizeistation und die Post besetzte. Das Militär griff die Besetzer am Montag an. Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva erwartet weitere Kämpfe. "Das ist aber Birmas internes Problem", sagte er.

Bei den Auseinandersetzungen wurden nach Angaben eines birmanischen Regierungsvertreters drei Zivilisten getötet worden. Bei dem Angriff von Rebellen der ethnischen Minderheit der Karen auf die Stadt Myawaddy nahe der Grenze zu Thailand seien zudem mindestens elf Menschen verletzt worden. Die Karen-Rebellen kämpfen bereits seit sechs Jahrzehnten gegen die Regierung.