Die Europäische Union (EU) öffnet ihre Grenzen für Bürger Albaniens und Bosnien-Herzegowinas – allerdings nur als Probelauf. So haben sich die Innenminister der 25 Schengen-Staaten – zwischen diesen Ländern gibt es keine Grenzkontrollen –  zwar einstimmig darauf geeinigt, bei den Bürgern dieser beiden Länder auf Einreisevisa zu verzichten. Zugleich haben sich die EU-Staaten aber vorbehalten, die Regelung wieder auszusetzen, falls sie missbraucht werden sollte. Darauf hatten insbesondere Deutschland, Frankreich und die Niederlande bestanden.

"Wir müssen alles tun, damit es keinen Missbrauch der Visa-Liberalisierung gibt", sagte der belgische Innen-Staatssekretär Melchior Wathelet, dessen Land derzeit den EU-Staaten vorsitzt. Nach seinen Angaben sagten die Innenminister Albaniens und Bosniens zu, die Bürger genau über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. "Die Visafreiheit gibt ihnen nicht das Recht, in der EU zu arbeiten und Asyl zu beantragen", sagte Wathelet.

Die Grenzöffnung gilt zudem nur für einen Teil der Albaner und Bosnier, und zwar nur für diejenigen, die einen biometrischen Pass mit digitaler Gesichtserkennung und Fingerabdrücken nachweisen können. Sie dürfen voraussichtlich schon vor Weihnachten für 90 Tage pro Halbjahr in die Schengen-Länder reisen. Ausgenommen sind Großbritannien und Irland sowie Island, Norwegen und die Schweiz.

Die EU will mit der Reiseerleichterung den Staaten einen Anreiz dafür geben, den notwendigen Reformprozess für eine Mitgliedschaft in der EU voranzutreiben. Bosnien und Albanien hoffen auf eine Aufnahme in den kommenden zehn Jahren. Bisher haben sie aber noch nicht die Kriterien erfüllt, um Beitrittsverhandlungen beginnen zu können. Dazu gehören unter anderem wirksame Vorkehrungen gegen illegale Einwanderung oder Drogenschmuggel.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström sprach von einem "historischen Tag" und rief die beiden Balkanstaaten auf, ihre Bürger genau zu informieren. Die EU werde die neuen Regelungen zur Grenzkontrolle und zur Sicherheit der Ausweisdokumente streng überwachen .

Die EU-Staaten befürchten massenhaft ungerechtfertigte Asylanträge in ihrem Hoheitsgebiet. Dazu kam es, als die Visumspflicht für Serbien und Mazedonien im Dezember 2009 aufgehoben worden war. Zahlreiche Roma und andere Minderheiten kehrten daraufhin ihrer Heimat den Rücken.