Experten der Europäischen Union haben sich in Brüssel über einen besseren Schutz gegen Paketbomben und andere gefährliche Frachtgüter beraten. Sie wollen prüfen, ob die geltenden EU-Regeln verschärft werden müssen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte nach dem Treffen: "Wir müssen uns auf risikoreiche Länder und unbekannte Frachtunternehmen konzentrieren." Zudem müssten vor allem Schlupflöcher geschlossen werden. Dazu werde die EU mit außereuropäischen Staaten besser zusammenarbeiten.

Gleichzeitig sprach sich Kallas aber gegen zu harte Auflagen für Frachtfirmen aus. "Die Vorfälle sind schwerwiegend, aber Panik ist nicht angebracht", sagte Kallas. Er warnte vor "überzogenen Maßnahmen". In der zivilen Luftfahrt gebe es bereits jetzt die schärfsten Sicherheitsvorschriften von allen Branchen, betonte er. Der Kommissar konstatierte aber, dass eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Behörden in den USA und in Europa nötig sei. Nach seinen Angaben werden 60 Prozent aller Frachtgüter in Passagiermaschinen transportiert.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch gefordert, Frachtgüter in Europa und weltweit schärfer zu kontrollieren. Aus Brüssel hieß es, dass es für Beschlüsse noch zu früh sei. Zunächst müsse das geltende EU-Regelwerk unter die Lupe genommen werden. Konkrete Maßnahmen gegen die terroristische Bedrohung durch Luftfracht werde die EU-Kommission bis zum nächsten Treffen der EU-Verkehrsminister Anfang Dezember vorschlagen.

Bisher sind nicht die Mitgliedstaaten für die Kontrollen zuständig, sondern die Frachtfirmen selbst. Eine mögliche Reaktion der EU wäre nach Angaben eines Diplomaten eine Liste von Drittstaaten, deren Frachtlieferungen in die EU stärker kontrolliert werden müssen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Niederlande hatten Frachtgüter aus dem Jemen nach einem Sprengstofffund untersagt. Ob die EU eine eigene Behörde zur Frachtkontrolle einrichtet, wie es die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert, ist offen.

Die Bundesregierung plant, das Personal der zuständigen deutschen Aufsichtsbehörde zu erhöhen. "Wir werden den Mitarbeiterstab im Luftfahrt-Bundesamt weiter aufstocken, um eine bestmögliche Kontrolle der Fracht in der gesamten Lieferkette zu gewährleisten", sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer den Ruhr Nachrichten . Wirtschaftsminister Rainer Brüderle warnte vor überzogenen Sicherheitsmaßnahmen, die den Handel hemmen könnten. Der Passauer Neuen Presse sagte Brüderle, Beeinträchtigungen durch neue Kosten und längere Abfertigungszeiten müssten sorgfältig geprüft werden.