Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat François Fillon erneut zum Regierungschef ernannt. Fillon hatte am Samstag den Rücktritt seiner Regierung eingereicht, um den Weg für eine lange erwartete Kabinettsumbildung freizumachen.

Fillons Büro teilte mit, dass die neue Regierungsmannschaft am Sonntagabend oder am Montag vorgestellt werde.

"Nach dreieinhalb Jahren mutiger Reformen werde ich unter Führung des Staatschefs die neue Etappe entschlossen angehen", erklärte Fillon. Als Ziele nannte er, das Wirtschaftswachstum im Dienste der Beschäftigung zu stärken, die Solidarität zu fördern und die Sicherheit der Franzosen zu garantieren. Ungeachtet der Herausforderungen und Widerstände sei Sarkozy seiner Reformpolitik treu geblieben, sagte Fillon, der seit Beginn von dessen Amtszeit im Jahr 2007 Premierminister ist.

In den vergangenen Wochen schien es zunächst, als könnte der Präsident Fillon durch Umweltminister Jean-Louis Borloo ersetzen. Doch der Widerstand in der Regierungspartei UMP brachte Sarkozy dann offenbar davon ab, den in der Bevölkerung beliebten Fillon zu ersetzen.

Aus Borloos Umfeld hieß es, Sarkozy habe dem 59-jährigen mehrere einflussreiche Posten angeboten, um ihn in der Regierung zu halten. Dazu gehörten das Außenministerium und ein vergrößertes Umweltministerium mit mehr Kompetenzen. Nach Angaben aus Regierungskreisen hing die Bekanntgabe der neuen Regierung am Sonntag noch an zwei Punkten: der Entscheidung Borloos und der Führung der UMP, für die der derzeitige Fraktionschef Jean-François Copé im Gespräch ist. Doch Fillon habe sich für Copé als Innenminister ausgesprochen und damit das Szenario wieder durcheinandergebracht.

Klar war am Sonntag bereits, dass die neue Regierung weniger Mitglieder haben werde als die alte. Das Kabinett sollte von 37 auf 26 Posten verkleinert werden. Sowohl Außenminister Bernard Kouchner, der als amtsmüde gilt, als auch Justizministerin Michèle Alliot-Marie werden wohl das Kabinett verlassen.

Als sicher galt die Rückkehr von Ex-Premierminister Alain Juppé in die Regierung. Juppé, der laut Regierungskreisen das Verteidigungsressort leiten soll, hatte angekündigt, dass er einen Ministerposten übernehmen werde und Sarkozy damit unter Zugzwang gebracht. Der Präsident gab daraufhin überraschend am Samstagabend den Rücktritt der Regierung bekannt. Eigentlich war der Schritt erst am Montag erwartet worden.

Als gesichert gilt auch die Versetzung der bisherigen Bildungsministerin Valérie Pécresse ins Justizressort. Unklar war zunächst das künftige politische Schicksal des bisherigen Umweltministers Borloo.

Die Kabinettsumbildung hatte Sarkozy bereits nach der Niederlage bei den Regionalwahlen im Frühjahr angekündigt. Der Präsident hofft nach dem Kampf um seine Rentenreform, die nach massiven Protesten am Mittwoch in Kraft getreten war, auf einen Neuanfang. Zuletzt waren nur rund 30 Prozent der Bevölkerung mit seiner Amtsführung zufrieden. Die Umbesetzung wird auch als Weichenstellung für die Präsidentenwahl 2012 gesehen. Es wird erwartet, dass Sarkozy dabei erneut antritt.

Die Opposition kritisierte die Personalentscheidung Sarkozys. "Das ist die Beibehaltung eines Regierungschefs, der in allen wichtigen Fragen gescheitert ist, durch einen Präsidenten, der selbst auch gescheitert ist", sagte der Sprecher der Sozialisten, Benoît Hamon. Der Schritt zeige, dass Sarkozy keine Alternative zur "Politik des Sparens und der Opfer für die Franzosen" habe.

Die grüne Spitzenpolitikerin Cécile Duflot sagte: "Es handelt sich um die Episode 125, nun warten wir auf Kapitel 126." Der sozialistische Abgeordnete Jean-Marc Ayrault meinte mit Blick auf die bereits seit Langem angekündigte Regierungsumbildung: "Nach über sechs Monaten hat der Präsident auf unseren TV-Bildschirmen für heute Abend eine neue Show organisiert." Es werde sich durch die Kabinettsumbildung kaum etwas ändern.