Der Minister für Europapolitik Andrea Ronchi, der stellvertretende Minister für Außenhandel, Adolfo Urso, sowie zwei Unterstaatssekretäre – alle aus Gianfranco Finis abtrünniger Fraktion "Zukunft und Freiheit für Italien" (FLI) – haben am Montagnachmittag offiziell ihr Amt niedergelegt.

Der Präsident des italienischen Abgeordnetenhauses hatte den Abzug seiner Gefolgsleute bereits mehrfach angekündigt, sollte der 74-jährige Regierungschef nicht die Konsequenz aus seinen jüngsten Sex-Skandalen ziehen und freiwillig zurücktreten. Fini hatte Silvio Berlusconi vor gut einer Woche auf einem Kongress seiner FLI öffentlich zum Rücktritt aufgefordert.

"Mit dem Abzug der FLI vollzieht sich Finis Verrat", sagte der Minister für Arbeit, Familie und Soziales, Maurizio Sacconi, aus Berlusconis Regierungspartei "Volk der Freiheit" (PdL). Der PdL-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Fabrizio Cicchitto, sprach hingegen von einem "schweren politischen Fehler" vonseiten des Abgeordnetenhauspräsidenten und seiner Gefolgsleute.

Der ehemalige Neofaschist Fini, den Berlusconi einst mit einer Wahlempfehlung aus der rechten Ecke geholt und politisch salonfähig gemacht hatte, war im Sommer nach langen Streitigkeiten aus der gemeinsam gegründeten PdL-Regierungspartei gedrängt worden. Fini hatte daraufhin seine FLI-Fraktion ins Leben gerufen.

Staatspräsident Giorgio Napolitano bestellte am Montag die Präsidenten der beiden Parlamentskammern für Dienstagnachmittag zu einem Treffen ein, um "den Kalender der parlamentarischen Tätigkeit zu besprechen". Es dürfte vor allem darum gehen, zu entscheiden, wann die verschiedenen Vertrauensfragen an die Regierung gestellt werden sollen. Eine hierzu anberaumte Konferenz der Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus wurde kurzfristig abgesagt.

Berlusconis Regierung steht ein Misstrauensantrag der größten Oppositionspartei PD ins Haus, der auch von der Anti-Korruptionspartei Idv (Italien der Werte) Antonio Di Pietros getragen wird. Außerdem will Berlusconi selbst in beiden Häusern des Parlaments die Vertrauensfrage stellen, wie er am Wochenende kampflustig ankündigt hatte.

Für Berlusconi geht es nun darum, Zeit zu gewinnen. So will er zunächst den Haushalt 2011 verabschieden. Dieses Vorgehen wird vor allem von Staatspräsident Giorgio Napolitano befürwortet. Die Opposition hatte sich am Wochenende prinzipiell einverstanden erklärt, die Finianer zogen am Montag nach. Damit würden die anstehenden Abstimmungen über das Wohl und Wehe der Regierung nicht vor Mitte Dezember stattfinden.