In der irischen Hauptstadt Dublin haben tausende Menschen gegen den Vier-Jahres-Sparplan der irischen Regierung von Premierminister Brian Cowen demonstriert. Zu dem Protestmarsch hatten die Gewerkschaften des stark verschuldeten Landes aufgerufen. Die Polizei sprach von 50.000 Demonstranten, Gewerkschaftsvertreter rechneten mit einer deutlich höheren Beteiligung.

Der Vorsitzende der größten Einzelgewerkschaft Siptu, Jack O'Connor, bezeichnete die Einsparungen von 15 Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren als "Kriegserklärung an die am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmer".

Die angeschlagene Regierung um Cowen will die Staatsausgaben in den kommenden vier Jahren um zehn Milliarden Euro kürzen und fünf Milliarden Euro zusätzlich durch Steuererhöhungen einnehmen. Auf jeden Einwohner kommen damit im Schnitt Belastungen von 3700 Euro zu.

Derzeit liegt das irische Haushaltsdefizit bei 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit mehr als zehnmal so hoch wie in Europa erlaubt .

Der Sparkurs ist auch Voraussetzung für Hilfszahlungen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Cowen hatte den Umfang der Hilfe auf voraussichtlich rund 85 Milliarden Euro beziffert.

Irische Medien spekulierten über die Höhe der Zinsen, die auf Irland deswegen zukommen. Einem Fernsehbericht zufolge muss das Land mit 6,7 Prozent eine höhere Rate zahlen als Griechenland, das ebenfalls Hilfskredite erhalten hat. Die Irish Times berichtete dagegen von einer Zinsrate von rund 5,5 Prozent. Die Oppositionsparteien Labour und Fine Gael, die voraussichtlich die nächste Regierung stellen werden, nannten Zinsen von über sechs Prozent inakzeptabel.

In deutschen Regierungskreisen wurde mit einer Entscheidung über den irischen Hilfsantrag für den Rettungsschirm am Montag gerechnet. Am Sonntag wollten die EU-Finanzminister in Telefonkonferenzen den Entschluss vorbereiten.