Das Tischtuch zwischen Parlamentspräsident Gianfranco Fini und Ministerpräsident Silvio Berlusconi scheint endgültig zerschnitten: Seit Fini sich mit Berlusconi überworfen , die Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL) verlassen und eine eigene Partei gegründet hat, steht der Regierungschef unter Druck. Seit Bekanntwerden der neuen Sex-Skandale fordern neben Opposition und Gewerkschaften nun auch vier Minister Berlusconis Rücktritt. Anderenfalls, so ihre Drohung, würden sie zurücktreten und damit die Regierung stürzen.

Auch im Parlament steigt der Druck auf Berlusconi. Die größte Oppositionspartei PD hat am Freitag ein Misstrauensvotum gegen den Regierungschef angekündigt. Die Forderung der Demokratischen Partei wird auch von der Anti-Korruptionspartei Italien der Werte (IDV) unterstützt. Wann die Abgeordneten über Silvio Berlusconi abstimmen, steht noch nicht fest. Würde ihm das Vertrauen entzogen, müsste es nicht zwangsläufig Neuwahlen geben. Als möglicher Nachfolger in der Mitte-Rechts-Regierung wird neben anderen der langjährige Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti gehandelt.

Bei den abtrünnigen Ministern handelt es sich um ehemalige Fahrensmänner des Parlamentspräsidenten. Es war Fini selbst, der die Rücktritts-Drohung auf einer Tagung seiner neuen Partei Zukunft und Freiheit für Italien (FLI) ausgesprochen hatte. Sollte Berlusconi versuchen, "den Sturm zu überstehen", würden die inzwischen zur FLI zählenden Mitglieder der Regierung zurücktreten.

Dies scheint nun tatsächlich einzutreten: "Es ist entschieden", sagte Italo Bocchino von der Fini-Partei in einer Fernsehsendung. Ministerpräsident Silvio Berlusconi werde am kommenden Montag das Rücktrittsgesuch der vier Minister auf seinem Schreibtisch vorfinden. Nach diesen Austritten aus der Regierung habe Berlusconi keine ausreichende Unterstützung mehr und er müsse den Staatspräsidenten Giorgio Napolitano dann endgültig um seinen Rücktritt bitten, fügte Bocchino hinzu.

Das Mandat der Regierung dauert eigentlich noch bis 2013. Zuletzt hatte Umberto Bossi, Chef der rechtspopulistischen Lega Nord und Bündnispartner von Berlusconis PDL, seine Vermittlung angeboten. Diese sollte sicherstellen, dass die Regierung wenigstens bis zur Verabschiedung des Haushalts für 2011 im Amt bleibt, der derzeit im Parlament beraten wird und im Dezember verabschiedet werden könnte. Auch Staatschef Napolitano hatte dazu aufgerufen, die Regierung zumindest noch den Haushalt durch das Parlament bringen zu lassen.

Ein möglicher Kompromiss zwischen Fini und Berlusconi könnte laut italienischen Medien die Verabschiedung eines neuen Wahlgesetzes sowie eine garantierte Solidarität der reichen Regionen insbesondere im Norden des Landes mit den armen Regionen im Süden beinhalten.

Angesichts der jüngsten Überwerfungen dürfte eine Einigung aber immer schwieriger werden. Fini versammelt inzwischen knapp 40 Abgeordnete und Senatoren hinter sich , die ihn drängen, seine Machtoption zu nutzen. Aus Berlusconis Umfeld verlautete hingegen, der 74-Jährige habe keinerlei Absicht, zurückzutreten und werde dies nur tun, wenn er ein Misstrauensvotum im Parlament verliere.