Die Arbeitsbedingungen für unabhängige Journalisten in Russland sind hart. Viele werden bedroht oder sind Opfer von Anschlägen. Besonders gefährlich wird es, wenn man sich mit der misslungenen Nordkaukasus-Politik Moskaus befasst oder mit der Berichterstattung zu nah an Interessen des Kremls rührt – trotz aller Forderungen von Präsident Medwedjew, die Taten aufzuklären und die Arbeitsbedingungen für Journalisten zu verbessern.

Zuletzt traf es die Journalisten Oleg Kaschin und Anatoli Adamtschuk. Beide berichteten auch über Umweltsünden. Der 30-jährige Politikredakteur Kaschin von der liberalen Tageszeitung Kommersant wurde am Samstag vor seinem Haus in Moskau von zwei Unbekannten mit Baseballschlägern überfallen, er hat Schädelverletzungen davongetragen, beide Beine, der Kiefer und Finger wurden ihm gebrochen.

Kaschin hatte über den Eichenwald von Chimki bei Moskau berichtet, der einer Autobahn weichen soll. Waldschützer demonstrieren seit Monaten für den Erhalt der "grünen Lunge". Bereits 2008 war der Chefredakteur der Zeitung Chimkinskaja Prawda , Michail Beketow, zum Invaliden geprügelt worden, weil er sich für den Wald eingesetzt hatte. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Ebenfalls im Verdacht, Kaschin misshandelt zu haben, steht die kremlnahe Jugendorganisation "Junge Garde", die ihn im August auf ihrer Internetseite als "Informationssaboteur" beschimpft und mit "Bestrafung" bedroht hatte.

Anatoli Adamtschuk ist kurz darauf, in der Nacht zum Montag, attackiert worden. Er habe ein Schädeltrauma und eine Gehirnerschütterung erlitten, berichtete der Radiosender Moskauer Echo . Zwei Unbekannte hätten Adamtschuk in einem Vorort von Moskau aufgelauert, sagte sein Kollege Sergej Grammatin dem Radiosender. Der Journalist der Zeitung Schukowski Westi hatte den Angaben zufolge auch mehrere kritische Artikel über den Autobahnbau bei Moskau geschrieben.

Angesichts der lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen für kritische Medien in Russland haben zahlreiche bekannte Journalisten einen offenen Brief an Präsident Dmitrij Medwedjew geschrieben: "Das Recht eines Reporters, seinen Verpflichtungen nachgehen zu können, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, ist auch das Recht unserer Gesellschaft, zu sprechen und gehört zu werden", heißt es in darin auf der Titelseite in Kommersant . "Journalisten in Russland müssen endlich geschützt werden. Die Behörden sind direkt für die Sicherheit der Medien im Land verantwortlich."

Kaschin und Adamtschuk sind die letzten Opfer in einer sehr langen Serie blutiger Verbrechen gegen Journalisten, Medienunternehmer und Aktivisten in Russland und seinen kaukasischen Republiken. Allein in diesem Jahr starben acht Journalisten durch Verbrechen. Mehr als 40 weitere Reporter wurden Opfer von Überfällen.

Die bekanntesten Mordanschläge der jüngsten Zeit sind bis heute nicht aufgeklärt. Auf den folgenden Seiten sind sie aufgeführt: