"Bis morgen, liebe Kinderschänder." Mit diesen Worten verabschiedete sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy kürzlich von einigen Journalisten. Die undiplomatische Wortwahl zeigt, wie erbost der Präsident war. Ein Journalist hatte ihn nach seiner Rolle in der sogenannten Karatschi-Affäre aus den neunziger Jahren gefragt. Dabei ging es um Schmiergelder von umgerechnet mehr als 80 Millionen Euro, die für den Verkauf von drei U-Booten an Pakistan vereinbart worden waren. Das war damals durchaus üblich und legal.

Nun ist aber der Verdacht aufgekommen, dass ein Teil des Geldes über dunkle Kanäle nach Frankreich zurückfloss. Die heimlichen Rückzahlungen, sogenannte Kick-backs, sollen in die Wahlkampfkassen des damaligen Premierministers Edouard Balladur geflossen sein, der gerne Präsident geworden wäre. Sarkozy war einer seiner engsten Mitarbeiter.

Sarkozy wehrt sich heftig gegen die Anschuldigungen. Aufgrund unbewiesener Vermutungen mit der Affäre in Verbindung gebracht zu werden, sei so, als würde er behaupten, der Journalist, der ihn danach fragte, sei ein Kinderschänder.

Wenige Tage später allerdings bringt Le Parisien erneut den Verdacht auf, es habe illegale Rückzahlungen gegeben und Sarkozy habe davon gewusst. Dies gehe aus einem an Sarkozy adressierten Schreiben von 2006 hervor, das kürzlich bei einer Durchsuchung im Wirtschaftsministerium aufgetaucht sei.

Den Ermittlern geht es allerdings längst nicht mehr allein um die mutmaßlich illegale Wahlkampffinanzierung. Sie verfolgen viel mehr die These, dass ein Attentat in der pakistanischen Hauptstadt Karatschi 2002 eine indirekte Folge des U-Boot-Geschäfts gewesen sein könnte. Damals riss ein Selbstmordattentäter elf Franzosen mit in den Tod. Auslöser des Attentats soll die Einstellung der Schmiergeldzahlungen gewesen sein, die Jacques Chirac 1996 gleich nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten verfügt hatte.

Chirac habe vermutet, dass sein Konkurrent Balladur einen Teil der Kommissionszahlungen für seinen Wahlkampf umgeleitet habe. Der Rechnungshof hatte 1995 festgestellt, dass ungewöhnlich hohe Summen Bargeld ohne Herkunftsbeleg auf die Wahlkampfkonten eingezahlt worden waren. Balladur bestritt jegliche illegale Finanzierung und verwies darauf, dass der Rechnungshof seine Aufstellung am Ende abgenickt habe.

Konkrete Beweise gibt es bislang nicht. Weder der Zusammenhang zwischen dem Ende der Schmiergeldzahlungen und dem erst sechs Jahre später verübten Attentat, noch die Verwicklung Sarkozys in die Machenschaften konnte belegt werden. Klar ist aber, dass die Affäre damals wie heute eine Art Bolzplatz ist, auf dem Politiker des bürgerlich-rechten Lagers ihre Rivalitäten austragen.

Mitte der neunziger Jahre waren es Chirac und Balladur, die beide Präsident werden wollten. Heute sind es Sarkozy und sein Gegenspieler Dominique de Villepin, der damals als Generalsekretär des Elysées auf Chiracs Seite stand. Jetzt hält er die Affäre mit Lust am Köcheln und kann es nach eigenen Worten kaum abwarten, sich endlich vor der Justiz dazu zu äußern.

Manche Franzosen waren erleichtert, als mit dem Ausscheiden von Arbeitsminister Eric Woerth aus der Regierung die Parteispendenaffäre um L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt fürs Erste aus den Schlagzeilen verschwand. Mit der Karatschi-Affäre gibt es nun eine neue politische Seifenoper rund um das Thema Korruption in Frankreich.