Es herrscht Wahlkampf in Spanien. Eigentlich sind es nur die Parlamentswahlen in Katalonien, doch der regionale Urnengang am 28. November beschäftigt das ganze Land. Dabei ist es nicht nur der übliche katalanische Separatismus, der die Gazetten füllt: Spaniens konservative Volkspartei (PP) hat sich dieses Mal etwas Besonderes einfallen lassen.

Dass sie mit dem Thema der illegalen Immigration aufwarten würden, war vorhersehbar. Die Umsetzung allerdings war überraschend: Auf ihrer Homepage veröffentlichte die katalanische PP ein Online-Videospiel namens Rescate (Rettung). Darin fliegt PP-Kandidatin Alicia Sánchez-Camacho auf einer Taube – dem Parteisymbol der PP – und macht in Anlehnung an die Videoheldin Lara Croft als Alicia Croft Jagd auf katalanische Separatisten und illegale Immigranten.

Die Empörung unter Kataloniens Nationalisten wie den spanischen Immigrantenorganisationen ist groß. Joan Herrera, Kandidat der Grünen/Linken ICV, nannte das Rescate "makaber und brutal" und kritisierte, die katalanische Volkspartei würde damit zur Gewalt gegen illegale Immigranten und Separatisten aufrufen. Auch José Blanco, Verkehrsminister und stellvertretender Generalsekretär der regierenden Sozialisten (PSOE) in Madrid, forderte Spaniens konservativen Oppositionsführer Mariano Rajoy auf, die katalanischen Parteifreunde zur sofortigen Abstellung des Videospiels im Internet zu zwingen, um nicht zum Komplizen einer "rassistischen Volksverhetzung" zu werden.

Doch die Konservativen denken gar nicht daran. Im Gegenteil: Alicia Sánchez-Camacho erklärte zwar, dass das Spiel wieder von der Homepage verschwinden solle. Doch nicht wegen der Ausländerfeindlichkeit und nur vorübergehend: Es würden dem Spiel jetzt neue Icons hinzugefügt, die Menschenschmugglerbanden symbolisieren sollten.

Die PP hat in Katalonien traditionell einen schweren Stand, da sie gegen regionalistische Bestrebungen ist. Und so scheint man auch mit krassen Mitteln das populäre Thema Sicherheit und illegale Immigration besetzen zu wollen. Die großen Regionalparteien, Kataloniens linksnationalistische Separatisten von der ERC und die rechtsbürgerlichen Nationalisten der CiU, haben dagegen die Wirtschaftskrise und natürlich das vom Madrider Verfassungsgericht gestoppte katalanische Regionalstatut zum Mittelpunkt ihrer Wahlkampagne gemacht.

Da die Sozialisten mit Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero in Madrid und mit José Montilla in Barcelona regieren, lag das Thema Krise auf der Hand. Mit einer Arbeitslosenquote von knapp 20 Prozent und einem immer noch stagnierendem Wirtschaftswachstum gibt es derzeit kein Thema, das Spanier wie Katalanen so sehr beunruhigt.

Vor allem aber mobilisieren beide Parteien mit separatistischen Wahlkampfreden die katalanisch-nationalistische Wählerschaft. Bereits im Sommer beteiligten sich rund eine Million Menschen an einem hauptsächlich von ERC und CiU organisierten Protestmarsch gegen die Entscheidung des spanischen Verfassungsgerichts, die von den Katalanen 2006 in einer Volksabstimmung beschlossene neue Landesverfassung zu stoppen. Zwar bestätigte das Gericht den größten Teil des neuen Statuts, lehnte es allerdings als verfassungswidrig ab, dass Katalonien sich als Nation bezeichne und das Katalanische in Behörden und Schulen Vorrang vor dem Spanischen erhält.