In ihrer ersten Rede nach sieben Jahren Hausarrest hat sich Birmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi kämpferisch gezeigt und die Militärmachthaber zu Reformen aufgefordert. "Grundlage der demokratischen Freiheit ist die Meinungsfreiheit", sagte die Friedensnobelpreisträgerin vor Tausenden Anhängern in der Hauptstadt Rangun.

Zugleich rief die 65-Jährige ihre Anhänger auf, die Hoffnung auf einen Wandel in dem vom Militär abgeschotteten Land nicht aufzugeben. Demokratie sei, wenn das Volk die Regierung kontrolliert. "Wir müssen dafür einstehen, was richtig ist", sagte sie vor dem Hauptquartier ihrer Partei, der Nationalen Liga für Demokratie. 

Suu Kyi kündigte auch ihre Rückkehr in die Politik des südostasiatischen Landes an. Sie werde mit "allen demokratischen Kräften" zusammenarbeiten, sagte sie. "Ich möchte der Stimme des Volkes Gehör verschaffen, und dann entscheiden wir über das, was wir machen wollen." Sie wolle sich dafür einsetzen, die Lebensbedingungen in Birma zu verbessern. "Nichts kann erreicht werden, wenn die Menschen nicht einbezogen werden."

Unter den Anwesenden waren auch Agenten des Regimes in Zivil, schilderten Augenzeugen.

Suu Kyi hat 15 der vergangenen fast 21 Jahre in Isolation verbracht. Sie kämpft seit 1988 für Demokratie in ihrem Land. Dadurch wurde sie zu einer Symbolfigur der Opposition . Die Militärjunta wirft ihr Destabilisierung vor und hat den Hausarrest in den vergangenen Jahren immer wieder unter fadenscheinigen Gründen verlängert. Bis Samstag, da wurde er aufgehoben. 

Am vergangenen Wochenende hatte das Land gewählt . Es war die erste Wahl seit 20 Jahren. Das Militär sorgte aber dafür, dass es nach fast fünf Jahrzehnten die Macht praktisch behält. Ein Viertel aller Parlamentssitze sind für das Militär reserviert, ebenso wichtige Regierungsposten.

80 Prozent der restlichen Sitze hat angeblich die vom Militär selbst gegründete Partei USDP gewonnen. Sie wird von ehemaligen Generälen dominiert, die kurz vor der Wahl die Uniformen ablegten. Suu Kyi und ihre Partei hatten zum Wahlboykott aufgerufen, die NLD wurde daraufhin offiziell aufgelöst.