Der Streit zog sich über Wochen. Deutschland und Frankreich waren sich uneins über den Charakter der geplanten Raketenabwehr in der neuen Nato-Strategie . Nun soll ein Kompromiss erreicht worden sein; damit wäre eines der letzten Hindernisse für die Annahme des neuen strategischen Konzepts der Allianz aus dem Weg geräumt.    

Paris verzichte auf die Forderung, dass der Schutzschild nur als "ergänzend" zur atomaren Abschreckung bezeichnet wird, berichtet die französische Tageszeitung Le Figaro unter Berufung auf einen Entwurf für das Abschlussdokument. Gleichzeitig werde die nukleare Abschreckung aber weiter "ein zentrales Element" der Gesamtstrategie genannt.

Im Gegenzug soll im Sinne Deutschlands festgeschrieben werden, dass sich die Nato grundsätzlich verpflichtet, für Abrüstung einzutreten. Ziel sei letztlich "eine Welt ohne Atomwaffen". Einschränkend heißt es aber: "Solange Atomwaffen existieren, bleibt auch die Nato ein Bündnis mit Nuklearwaffen." Auch US-Präsident Barack Obama hatte klargestellt, dass die USA trotz seines Einsatzes für eine vollständige Atomwaffen-Abrüstung "effektives nukleares Arsenal" behalten würden, "solange solche Waffen fortbestehen".

Die geplante Raketenabwehr soll die Nato-Partner vor Angriffen von außen schützen. Als Hauptgefahr gilt Iran – das Land wird in offiziellen Dokumenten aber nicht angeprangert, da die Türkei als unmittelbarer Nachbar einer solchen Kennzeichnung nicht zustimmt . Details wie endgültige Kosten und Kommandostruktur sind noch nicht klar.  

Zwischen Deutschland und Frankreich hatte es wegen der Themen Abrüstung und Raketenabwehr lange offene Meinungsverschiedenheiten gegeben. Berlin sieht in dem Abwehrsystem eine Chance für nukleare Abrüstung. Paris beharrte hingegen auf der Bedeutung der Atomwaffenarsenale – und will das auch festgeschrieben sehen.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato beraten ab Freitagnachmittag in Lissabon über die neue Bündnisstrategie für das kommende Jahrzehnt. Die Nato will damit auf neuartige Bedrohungen wie Terror-, Hacker- und Raketenangriffe reagieren. Die alte Strategie stammt aus dem Jahr 1999 und gilt als veraltet.