US-Verteidigungsminister Robert Gates hat sich besorgt über die neue nordkoreanische Anlage zur Urananreicherung gezeigt. Damit habe Pjöngjang das "Potenzial", weitere Atomwaffen herzustellen, sagte er am Rande eines Treffens mit Kollegen aus amerikanischen Ländern in Bolivien. Dies sei "offensichtlich" ein Anlass zur Sorge.

Deutlichere Worte verwandte der US-Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth. Nach Gesprächen mit südkoreanischen Regierungsvertretern kritisierte er Nordkoreas Vorgehen als "weiteren Zug in einer Serie von provokativen Zügen". Zugleich beschwichtigte er, dies sei "keine Krise, wir sind nicht überrascht". Die USA hätten mit diesem "sehr schwierigen Problem" bereits seit fast zwanzig Jahren zu tun. Das Streben des kommunistischen Landes, Uran anzureichern, hätten die USA seit Jahren "beobachtet und analysiert".

Erst am Vortag war bekannt geworden, dass das nordkoreanische Atomprogramm weitaus umfangreicher ist als bislang angenommen. Der US-Wissenschaftler Siegfried Hecker, der das Terrain besuchen durfte, sagte der New York Times , er sei "sprachlos" und "verblüfft" gewesen angesichts der ausgeklügelten Anlage, die das Regime schnell und heimlich gebaut habe. Er habe "Hunderte und Aberhunderte" neu installierter Gaszentrifugen und einen "ultramodernen Kontrollraum" gesehen. Nordkoreanischen Angaben zufolge seien dort bereits rund 2000 Zentrifugen im Einsatz.

Das Blatt zitierte Hecker weiter mit den Worten, dass es ihm verboten worden sei, in der Anlage Fotos zu machen. Auch habe er die Angaben der Nordkoreaner nicht überprüfen können, wonach die Anlage bereits niedrig angereichertes Uran produziere. "Es gibt Gründe, sich zu fragen, ob das wahr ist", sagte Hecker der Zeitung. Auch bezweifle er, dass Pjöngjang in der Lage sei, das Projekt fertigzustellen. In dem Bericht hieß es weiter, Nordkorea hätte die Anlage ohne ausländische Hilfe so schnell nicht errichten können.

Nordkorea hatte erstmals im Oktober 2006 und dann im Mai 2009 Atomwaffen getestet. Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den sogenannten Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen. In den vergangenen Monaten signalisierte Pjöngjang wiederholt seine Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. US-Präsident Barack Obama sagte vergangene Woche in Seoul, der Norden müsse "die Aufrichtigkeit seines Anliegens" unter Beweis stellen.