Der General geht mit großen Schritten zum Rednerpult. Neben ihm schreitet Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, er überragt den Gast aus Kabul um mindestens einen Kopf. General David H. Petraeus' grüne Uniform ist voller Orden und Abzeichen. Er ist einer der bekanntesten Soldaten der Welt, und er hat mit Sicherheit den schwierigsten Job, den die amerikanischen Streitkräfte momentan zu vergeben haben. Er soll die afghanische Armee und Polizei so weit bringen, dass diese selber für die Sicherheit im Land sorgen und die internationalen Truppen abziehen können. Vorige Woche haben die Nato-Staaten ihm dafür ein Datum vorgegeben : 2014 soll der Kampfeinsatz enden. Viel Zeit bleibt dem erfolgsverwöhnten Offizier also nicht.

Minister und General treten in der Säulenhalle des Berliner Bendlerblocks kurz vor die Presse. Sie treffen sich das erste Mal persönlich. Petraeus, Vier-Sterne-General und 58 Jahre alt, ist seit Juli Befehlshaber der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf).

Guttenberg und Petraeus loben die ersten Erfolge der Strategie in Afghanistan . Sie sieht vor allem die verstärkte Ausbildung einheimischer Soldaten und Polizisten im Feld vor – Partnering nennen die Militärs diese gemeinsamen Einsätze. "Danke für die großartige Leistung, die vor Ort erbracht wird", sagt Guttenberg zum General. Petraeus lobt zurück: Die Deutschen leisteten Hervorragendes bei der Aufstandsbekämpfung, vor allem in der Region Baghlan.

Mit dem Kampf gegen asymmetrische Gegner kennt der General sich aus wie kaum ein anderer. Petraeus gilt als Experte der Aufstandsbekämpfung. Er hat sich bereits während seiner Ausbildung an der Elite-Offiziersschule West Point mit dem Thema auseinandergesetzt und später darüber an der renommierten Princeton-Universität seine Doktorarbeit geschrieben. Deren Titel lautete: The American Military and the Lessons of Vietnam ( Das amerikanische Militär und die Lektionen aus Vietnam ).

Damals war das Thema bei Weitem nicht so populär wie heute. Seinerzeit wurden die Offiziersanwärter noch für den herkömmlichen Krieg mit Panzerschlachten und Artillerieduellen ausgebildet. Heute gehören der Dreisatz der Aufstandsbekämpfung: Clear, hold and build (säubern, halten und aufbauen) und Begriffe wie Comprehensive Approach (ein umfassender Ansatz, der militärisches und ziviles Vorgehen im Krisengebiet vereint) zum Lehrplan der Militärschulen – und dabei spielt Petraeus eine entscheidende Rolle.

2006 verfasste er gemeinsam mit einem weiteren General das Field Manual 3-24 Counterinsurgency . Das Feldbuch der US-Army und der Marines zur Bekämpfung von Aufständischen – also Gegner, die früher noch Guerilla-Kämpfer oder irreguläre Kräfte hießen. Das Field Manual machte Petraeus noch populärer. Es wurde sogar in den amerikanischen Feuilletons besprochen.