Die israelischen Pläne zum Bau von 1300 neuen Wohnungen in Ost-Jerusalem stoßen international auf heftige Kritik. Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die USA riefen die israelische Regierung zu einem Baustopp auf.

Siedlungsaktivitäten seien "nie hilfreich" für Friedensverhandlungen, sagte US-Präsident Barack Obama während eines Besuchs in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Er äußerte sich besorgt darüber, dass "beide Seiten keine Extra-Anstrengung für einen Durchbruch unternehmen, mit dem endlich ein Rahmen für ein friedvolles Nebeneinander eines sicheren Israels und eines souveränen Palästinas geschaffen werden kann". Zugleich versicherte der US-Präsident, er werde sich weiter im Nahost-Friedensprozess einsetzen. Das sei "im Interesse der Welt" und im Interesse der Völker Israels und der Palästinenser.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach seine Sorge über die Wiederaufnahme des Siedlungsbaus bei einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in New York an. Laut UN gab Ban demnach zugleich seiner Hoffnung Ausdruck, dass Israel weitere Schritte zur Erleichterung "der Bewegung von Personen und Gütern von und nach Gaza" unternehmen werde.

Deutlicher wurde EU-Außenministerin Catherine Ashton. Sie erklärte in Brüssel, "die Siedlungen sind nach internationalem Recht illegal, ein Hindernis für den Frieden und machen eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich". Die Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik betonte, die EU werde keine Änderung an den vor 1967 bestehenden Grenzen Israels akzeptieren. Das gelte auch für Jerusalem.

Die Sprecherin der israelischen Menschenrechtsorganisation Peace Now, Hagit Ofran, sprach von einer "großen Provokation von  Netanjahu in einer sehr heiklen Phase des Verhandlungsprozesses". Das israelische Innenministerium hat nach Angaben von Peace Now angekündigt, 1025 neue Wohneinheiten in der Siedlung Har Homa und weitere 320 in Ramot zu bauen. Allerdings sei die öffentliche Ankündigung nur der erste Schritt in einem langjährigen Verfahren bis zum Baubeginn.

Israel hat den arabischen Ostteil Jerusalems 1967 während des Sechs-Tage-Krieges besetzt und betrachtet ganz Jerusalem als unteilbare Hauptstadt. Dies wird von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt. Die Palästinenser wollen in Ostjerusalem die Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates ausrufen. Die Zukunft Jerusalems gehört zu den schwierigsten und emotionalsten Streitpunkten in den Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern.