Stimmen die Berichte, hat der britische Geheimdienst eine äußerst unglückliche Rolle gespielt. Der Hochstapler, der sich vor der afghanischen Regierung und der Nato als hochrangiger Taliban-Unterhändler ausgab und geheime Versöhnungsgespräche mit Kabul führte, soll laut der britischen Zeitung The Times und der Washington Post von Agenten des MI6 mehrere Hunderttausend Dollar erhalten haben. Grund: Der MI6 hielt den Mann für den Taliban-Kommandeur Mullah Achtar Mohammed Mansur. Mittlerweile stehe fest, dass der Mann entweder ein einfacher Rebellenkämpfer oder ein Händler aus der pakistanischen Stadt Quetta sei.

Nach Informationen der Times flog der MI6 den Mann mehrfach zu Treffen nach Kabul. Dabei habe der Mann auch Afghanistans Präsident Hamid Karsai getroffen. "Der britische Geheimdienst war naiv, und bei uns herrschte Wunschdenken", räumte ein hochrangiger afghanischer Regierungsvertreter in der Zeitung ein. Der frühere US-Vertreter für die südafghanische Stadt Kandahar, Bill Harris, sagte der Times allerdings, die Panne sei wohl nicht alleine die Schuld der Briten. "So etwas Dummes benötigt normalerweise Teamwork", sagte er. Die US-Geheimdienste hatten dem Zeitungsbericht zufolge dem MI6 geholfen, die Glaubwürdigkeit des Mannes zu überprüfen.

Die New York Times hatte erstmals über den Fall berichtet . Karsai hatte daraufhin dementiert, den vermeintlichen Taliban-Anführer getroffen zu haben. Karsais Stabschef Mohammad Umer Daudsai sagte der Washington Post , die afghanischen Stellen hätten sofort an der Identität des Mannes gezweifelt. Die Panne zeige, dass der Versöhnungsprozess vollständig in afghanischen Händen liegen müsse , sagte Daudsai.

Karsai hat die Taliban bereits mehrfach aufgerufen, der Gewalt abzuschwören und Friedensgespräche mit seiner Regierung zu führen . Die Taliban-Führung weist Berichte über Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Aufständischen regelmäßig als "Gerüchte" und "Propaganda" zurück. Sie macht einen Abzug der ausländischen Truppen zur Vorbedingungen für Gespräche.