Gamal Abdel Nasser, einst panarabischer Volksheld aus Ägypten, nannte sie moderne Pyramiden; für Jawaharlal Nehru, den legendären ersten Ministerpräsidenten Indiens, waren sie Tempel: An Staudämmen scheiden sich bis heute die Geister, denn für die Gegner stehen sie für alles, was an der Modernisierung – kapitalistisch oder staatssozialistisch – falsch laufen konnte.

Der vor zehn Jahren veröffentlichte Bericht der Weltstaudammkommission "Staudämme und Entwicklung – ein neuer Rahmen zur Entscheidungsfindung" versprach fälschlich ein Ende der lang geführten Debatte über das Für und Wider. Denn obwohl beispielsweise das technische Design des Speicherkraftwerks Belo Monte in Brasilien mehrfach geändert wurde und weniger Umsiedlungen notwendig macht, und obwohl die Umweltbehörde strenge Umweltauflagen für dessen Bau verordnete, kündigen Umweltschützer und in der Region ansässige Kleinbauern und Indianerstämme gewaltsamen Widerstand an.

Ein anderer bekannter Streitfall ist der Ilisu Staudamm im Südosten der Türkei, aus dem sich zwei internationale Finanzierungskonsortien zurückzogen, da die türkische Regierung nicht alle Umwelt- und Umsiedlungsauflagen umsetzte. Und neuerdings sind es vor allem Staudammprojekte, an denen chinesische Banken und Firmen beteiligt sind, die wegen laxer Umweltstandards ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Brasilien, China, Indien und die Türkei favorisieren die Wasserkraft in ihrem Energiemix und ihren Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Es sind aber vor allem die Länder des afrikanischen Kontinents, die von der Wasserkraft profitieren können. Sie nutzen nur etwa sieben Prozent ihres technischen Potenzials (in Südamerika sind es 33 Prozent, in Nordamerika 69 Prozent und in Europa 75 Prozent). Da ein Fünftel der afrikanischen Haushalte nicht elektrifiziert ist, und mehr als 30 Länder des Kontinents unter chronisch auftretenden Stromausfällen leiden, sind sich die zuständigen transnationalen Ministerrunden Afrikas und der AU einig, dass der Wasserkraft eine Schlüsselstellung bei der Entwicklung des Kontinents zukommt, auch wegen der weltweit begrenzten Vorkommen und der Verteuerung fossiler Energieträger.

Unfairer Wettbewerb durch China?

Im internationalen Baugeschäft, auch bei Staudammbauten, haben chinesische Baukonzerne mittlerweile die Führung übernommen. Die wenigen weltweit tätigen deutschen Baufirmen liegen im Vergleich zu den 54 zumeist staatlichen chinesischen Bauunternehmen, die einen Gesamtumsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar haben, weit zurück. Während die chinesischen Auslandsbaufirmen in erster Linie in Afrika und Asien (mit Marktanteilen von circa 50 Prozent beziehungsweise 30 Prozent) aktiv sind, konzentrieren sich die deutschen Baufirmen auf das Tochter- und Beteiligungsgeschäft in den stabilen Märkten der OECD-Länder. Unter den Top Ten der international tätigen Baufirmen sind mittlerweile fünf chinesische Unternehmen. China ist zum größten Finanzier von Staudammprojekten in Afrika avanciert und holt in Asien auf.

Vertreter der deutschen Bauindustrie führen dies auf Wettbewerbsverzerrungen zurück, die auch dadurch entstünden, dass deutsche Firmen den OECD-Umweltstandards verpflichtet seien, chinesische Unternehmen dagegen nicht. Jedes deutsche Unternehmen, das um Hermes-Deckungen nachsucht, muss den OECD-Standards genügen, sprich: Eine Umweltprüfung ist bereits Teil des Antrags bei Euler Hermes. Dies ist bei den chinesischen Investitionsbanken China EXIM Bank und Sinosure nicht der Fall. Als Basis für die Umweltprüfung dienen ihnen die im Vergleich zu den OECD-Umweltstandards weit niedrigeren Auflagen des jeweiligen Gastlandes.