Es ist die Zeit der rauen Herbststürme, in der Natur und der Politik. Die Kongresswahl am vergangenen Dienstag hat die Mehrheitsverhältnisse im amerikanischen Parlament durcheinander gewirbelt. Und so wollten die Gäste des Halifax Security Forum, darunter viele Minister und Abgeordnete aus Europa und Asien, am Wochenende danach erfahren, was sich ganz praktisch in der Außenpolitik der Weltmacht ändern wird, wenn nun wieder die Republikaner die Mehrheit in Repräsentantenhaus haben. Wie geht es also weiter im Umgang mit Iran, Afghanistan, dem Abrüstungsvertrag mit Russland?

Halifax ist das nordamerikanische Pendant zur Münchner Sicherheitskonferenz. Doch zunächst verhindern schwere Winde an der Atlantikküste von Nova Scotia die Klärung dieser Fragen. Der kleine Düsenjet, der die Schwergewichte der US-Außenpolitik wie Senator John McCain, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 2008, in Kanadas Nordosten bringen soll, muss mehrere Landeversuche abbrechen und zurück auf die US-Seite der Grenze, wo die Senatoren in einem bescheidenen Motel übernachten.

Am nächsten Morgen hat die Natur sich besänftigt. Das politische Unwetter ist geblieben. Man kann spüren, wie die Europäer im Saal zusammenzucken, als Lindsey Graham, der republikanische Senator aus South Carolina und enge Freund McCains, auf Iran zu sprechen kommt. Er hoffe, dass die Sanktionen Teheran dazu bringen, den Bau der Atombombe aufzugeben. Wenn aber nicht, dann werde er zu einem Militärschlag raten. Er wolle nicht, dass es soweit komme. Er sei ja selbst Offizier. "Wir können keinen neuen Krieg gebrauchen. Aber einen atomar bewaffneten Iran können wir noch viel weniger gebrauchen." Wenn es hart auf hart komme, sei sein Rat an Präsident Barack Obama: "Versenkt seine Marine, zerstört seine Luftwaffe, vernichtet die Revolutionsgarde!"

Viele Europäer reagieren betroffen. Graham hat nicht nur von "chirurgischen Schlägen" gegen Atomanlagen gesprochen, sondern einen umfassenden Luftkrieg gegen das gesamte iranische Militär ausgemalt. Geht das jetzt wieder los, wie unter Bush? Obama ist doch zu Verhandlungen mit Iran bereit. Gibt es nicht Hoffnung, dass die Sanktionen greifen, nachdem auch China und Russland mittun?

Sie wollen keinen Irankrieg, betonen Graham und McCain. Aber wer den verhindern wolle, müsse die Sanktionen weiter verschärfen. " Crippling " müssen sie sein, "lähmend", sonst lenke Teheran nicht ein. Gerade jetzt dürfe es keinen Rückzug der USA in die Innenpolitik geben. Der Präsident müsse also mit China über eine Verschärfung der Sanktionen verhandeln. Das wollen sie mit ihrer scharfen Rhetorik erreichen.

Dabei gibt es aber ein Problem, und es betrifft die Republikaner selbst: Die meisten der neuen republikanischen Abgeordneten, die dank der Tea-Party-Welle gegen den "Sozialisten" Obama in den Kongress kommen, seien "Isolationisten" und "Protektionisten", so sieht es Graham. Sie wollen China wegen Währungsmanipulationen auf die politische Anklagebank setzen. Das macht Pekings Entgegenkommen bei Iran-Sanktionen nicht wahrscheinlicher.

Die neue Rechte, warnt Graham, habe keine außenpolitische Erfahrung und kein Verständnis für den Wert langfristiger Partnerschaft. Das klingt nicht nach wieder erstarktem Selbstbewusstsein der traditionellen konservativen Außenpolitiker, die Amerikas Präsenz und Einfluss rund um die Erde stärken möchten.