Die Demokratische Partei hat zwei Jahre nach dem triumphalen Einzug von Barack Obama ins Weiße Haus eine schwere Wahlniederlage einstecken müssen: Nach ersten Ergebnissen und Prognosen von US-Fernsehsendern haben die Demokraten bei den Kongresswahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren. Die Schlappe fällt deutlicher aus als erwartet, Hochrechnungen gehen von mehr als 60 Sitzen aus, die die Republikaner hinzugewannen. Das wäre der größte Zugewinn der Opposition im US-Abgeordnetenhaus seit 1948.

Nach Berechnungen des TV-Senders NBC kommen die Republikaner auf 246 der 435 Sitze im Abgeordnetenhaus. 218 Sitze reichen für die Mehrheit. Der Ausgang im Senat, der zweiten Parlamentskammer, war lange Zeit ungewiss. Mittlerweile scheint klar, dass die Demokraten dort ihre Mehrheit knapp behalten werden.

Der Regierungsalltag wird für Obama damit erheblich schwerer. Republikaner können im Abgeordnetenhaus künftig alle Gesetzesinitiativen des Präsidenten torpedieren. Allerdings kann Obama im Gegenzug Initiativen des Repräsentantenhauses mit einem Veto zurückweisen. Die demokratische Mehrheit im Senat macht es ihm etwas einfacher: Sein Veto kann damit vom Kongress nicht zurückgewiesen werden.

Als nahezu sicher gilt, dass John Boehner neuer Sprecher des Repräsentantenhauses wird. Der Republikaner löst damit Nancy Pelosi in diesem Amt ab. Das macht ihn zum drittmächtigsten Mann im Staat nach Obama und dessen Vize Joe Biden. "Das amerikanische Volk hat (Präsident Obama) heute eine unmissverständliche Botschaft gesandt: Ändere den Kurs!", sagte Boehner in der Nacht.

Die Tea-Party-Bewegung konnte einige Erfolge verbuchen: In Kentucky setzte sich Rand Paul bei der Senatswahl gegen den Demokraten Jack Conway durch. Paul war politisch vor allem durch kritische Äußerungen über die Anti-Diskriminierungs-Gesetze in den sechziger Jahren aufgefallen. So stellte er zeitweilig eine Regelung infrage, die es Restaurantbesitzern untersagt, Schwarze abzuweisen.

"Wir sind gekommen, um uns unser Land zurückzuholen", sagte Paul am Abend. "Das amerikanische Volk ist nicht glücklich damit, was in Washington vor sich geht."