Es ist der erste Gaza-Besuch eines deutschen Politikers seit 2006: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat eine Aufhebung der seit vier Jahren andauernden israelischen Blockade des Gaza-Streifens gefordert. Westerwelle sagte vor Journalisten: "Es ist inakzeptabel, 1,5 Millionen Menschen zu blockieren. Der Besuch ist ein klares Zeichen, dass wir die Menschen in Gaza nicht vergessen und nicht vergessen können." Im Juni hatten die israelischen Behörden Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die Einreise in den Gaza-Streifen noch verweigert.

Import und Export lägen im Interesse aller und müssten daher wieder zugelassen werden, forderte Westerwelle. "Die Abriegelung stärkt die Radikalen und schwächt die Moderaten, das Gegenteil wäre richtig." Er forderte zugleich eine Freilassung des vor mehr als vier Jahren in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit, dessen Eltern er am Sonntag getroffen hatte. "Lasst den jungen Mann nach Jahren der Gefangenschaft nach Hause reisen!", forderte Westerwelle. Es sei ein "Gebot der Menschlichkeit", dass er zu seiner Familie zurückkehren könne.

Westerwelle besuchte auch die israelische Grenzstadt Sderot, die von radikalen Palästinensern im Gaza-Streifen immer wieder mit Raketen beschossen wird. "Raketenangriffe werden von uns in aller Form verurteilt", sagte der deutsche Minister. "Es gibt keine Rechtfertigung für solche Art von Terrorismus."

Die Bundesregierung werde den Palästinensern weiterhin Hilfe gewähren, sagte Westerwelle. Voraussetzung für eine Entwicklung sei eine Verbesserung der Infrastruktur: Wasser, Abwasser, Bildung, Ausbildung. "Das sind Schlüsselwörter unserer Politik."

Die Führung der im Gaza-Streifen regierenden Hamas kritisierte Westerwelle, weil er bei seinem Besuch keine Repräsentanten der radikalen Organisation getroffen hat. Es sei "beleidigend", dass internationale Gesandte Treffen mit der Hamas-Führung in dem Palästinensergebiet verweigerten, sagte Hamas-Sprecher Kamal Schrafi. Hamas sei rechtmäßig vom palästinensischen Volk gewählt worden. Westerwelle sagte dazu: "Unser Gesprächspartner ist die palästinensische Regierung. Mit Extremisten hingegen kann es nicht zu Gesprächen kommen."

Zu Beginn seines Gaza-Besuchs kam der deutsche Außenminister in eine Schule des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNWRA). Bei dem Besuch einer der Schulklassen sagte Westerwelle den Mädchen: "Alles Gute wünsche ich Euch, bleibt fleißig!" Es sei "eine Freude, in so junge und hübsche Gesichter zu schauen, und so fröhliche". Der Außenminister wurde von UNWRA-Chef Filippo Grandi begleitet

Anschließend besichtigte Westerwelle eine Kläranlage, die mit deutschen Hilfsgeldern in Höhe von 20 Millionen Euro ausgebaut wird. In dem Klärwerk kommt Abwasser von mehr als 600.000 Menschen an, bislang kann jedoch nur etwa die Hälfte davon aufbereitet werden. Der Rest wird ins Mittelmeer geleitet oder geht in das Grundwasser. Mit deutscher Hilfe soll das Klärwerk ausgebaut werden, damit das gesamte Abwasser bearbeitet werden kann.

Vor seiner Abreise sagte Westerwelle, der Besuch habe in einer "richtigen und wichtigen Zeit" stattgefunden. "Wir sind in einer Phase, wo die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen wurden, aber an einer gefährlichen Klippe sind. Die moderaten Kräfte zu unterstützen, die gewaltbereiten Kräfte zu schwächen, das ist die Aufgabe von Politik."