Die internationalen Truppen haben den Vormarsch der Taliban in Afghanistan gestoppt. So sehen es zumindest die Autoren eines Zwischenberichts, den Verantwortliche der Regierung und der Streitkräfte US-Präsident Barack Obama vorlegten. Die "Dynamik, die die Taliban in den vergangenen Jahren erreicht haben", sei in vielen Landesteilen gebrochen und "in einigen Schlüssel-Gebieten umgekehrt" worden, hieß es. Die Fortschritte seien  weiterhin "fragil und umkehrbar". Vor allem im Süden in der Region Kandahar sei die Lage friedlicher.

Im Einsatzgebiet der Bundeswehr sieht es dagegen nicht so gut aus: Die Sicherheitslage in der nord-afghanischen Region um Kundus wird immer unsicherer. Die Taliban weiten ihren Einfluss in der Region aus, zitierte die New York Times aus dem Bericht. Außerdem würden Milizen, die angeblich die Regierung unterstützen, die Bevölkerung in der Region terrorisieren. "Dies bleibt ein sehr schwieriges Unternehmen", sagte Obama über den Kampf gegen Taliban und al-Qaida.

Den Bericht hatte er im Dezember 2009 in Auftrag gegeben, nachdem er die neue US-Strategie für Afghanistan festgelegt hatte. Damals entschied er, die Zahl der US-Soldaten am Hindukusch drastisch auf 100.000 zu erhöhen. Die Verstärkung der US-Armee und der übrigen internationalen Truppen in Afghanistan habe sich ausgezahlt, heißt es in dem Lagebericht.

Ungeachtet will die Bundesregierung spätestens zu Weihnachten 2011 die deutsche Truppenstärke erstmals reduzieren, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte. "Wir werden jeden Spielraum nutzen, um damit so früh zu beginnen, wie es die Lage erlaubt, und es vor allem unsere verbliebenen Truppen nicht gefährdet", sagte er. Damit ging der Vizekanzler über einen Fortschrittsbericht hinaus, den die Regierung erstmals vorlegte. In dem ist von einem Abzugsbeginn "Ende 2011/2012" die Rede ist, und auch das nur mit Einschränkungen.

Die Autoren des US-Berichts machten laut mehreren Zeitungen aber auch kritische Anmerkungen. Pakistan gehe nicht gegen die Verstecke der Taliban vor, das Land sei nach wie vor Rückzugsgebiet islamistischer Kämpfer, hieß es. Pakistan habe als Nachbarland Afghanistans seine Strategie nicht "fundamental geändert", das sei ein "ernsthaftes Hindernis" für den Militäreinsatz, zitierte die New York Times . Terroristen könnten ungehindert die Grenze zwischen den Ländern überqueren, Anschläge verüben und internationale Truppen angreifen.

Der afghanischen Regierung von Präsident Hamid Karsai stelle der Bericht ein "wenig positives" Zeugnis aus, berichtet die Washington Post. Die Arbeit an einer effizienten Verwaltung frei von Korruption sei zwar ein laufender Prozess. Es sei aber fraglich, ob tragfähige Strukturen entstünden und kompetente Beamte beschäftigt werden könnten, um Vertrauen in der afghanischen Bevölkerung zu schaffen. Die Afghanen seien nicht bereit für eine Übernahme der Verantwortung, zitierte der Washington Examiner einen hohen Militärangehörigen.

Eher gute Noten gebe es allerdings für die laufende Offensive im Süden Afghanistans, ebenso für die Rekrutierung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. 70 Prozent der Angriffe der Taliban seien "ineffektiv". Die Zahl der zivilen Opfer durch den Militäreinsatz sei in den ersten elf Monaten des Jahres verglichen mit 2009 um zwei Drittel zurückgegangen.

Der Abzug der amerikanischen Truppen könne  wie geplant im Juli 2011 beginnen, heißt es. Der Kampfeinsatz von derzeit rund 130.000 internationalen Soldaten in Afghanistan soll noch bis 2014 dauern. Das Tempo des Rückzuges sei zudem offen und werde auch von den Ergebnissen des Reports abhängig.

Beobachter erwarten allerdings keine fundamentale Änderung der Strategie für den Krieg in Afghanistan, wie sie Obama im Dezember 2009 verkündet hatte.

Das US-Militär hat die Aufgabe, das Land nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung schrittweise an die afghanische Regierung zu übergeben. Dazu schickte Obama dieses Jahr weitere 30.000 Soldaten ins Land. Das Militär weitete die Angriffe auf mutmaßliche Taliban-Verstecke in Pakistan aus.