US-Dokumente, die die Internetplattform Wikileaks nach Angaben der New York Times veröffentlicht hat, berichten konsterniert von der Korruption in der Führung des Landes. Ein einziger Minister im Karsai-Kabinett, kabelte die US-Botschaft im vergangenen Januar, stehe nicht unter Verdacht von Korruption und Vetternwirtschaft.

Offenbar hatten korrupte Minister auch keine Hemmungen, Diplomaten ihre Einkünfte zu erläutern. Ein Regierungsvertreter in Kabul habe einem staunenden Diplomaten ein Vier-Stufen-Modell der Korruption erklärt. Demnach werde bei amerikanischen Hilfsprojekten gleich mehrfach abkassiert: Wenn ein Bauvorhaben ausgeschrieben, wenn der Auftrag vergeben wird, während des Baus und ein weiteres Mal, wenn das Projekt eingeweiht wird, heißt es in dem Bericht der Zeitung.

Korruption und Bestechung nehmen solche Formen an, dass die Suche nach "ehrlichen Partnern" so gut wie vergeblich sei. So habe ein amtierender Gouverneur in der Khost-Provinz geklagt, dass er seinen Job nicht behalten könne – ihm fehlten 200.000 bis 300.000 Dollar Bestechungsgeld. Ungeniert bedient sich offenbar auch das Verkehrsministerium: Die US-Vertreter berichten , dass es jährlich 200 Millionen US-Dollar im Jahr an Lastwagensteuern einnehme, doch nur 30 Millionen Dollar an die Regierung abführe.

Deutlich wurde auch: Die Korruption erfasst die höchste Stelle im Staat. Präsident Hamid Karsai selbst habe etwa fünf Grenzpolizisten begnadigt, die mit über 100 Kilogramm Heroin erwischt worden seien. Mehrere westliche Diplomaten äußerten schwere Bedenken den Präsidenten gegenüber. Ein britischer Diplomat bekannte "wachsende Frustration" wegen Karsai, ein australischer Gesandter sagte, der afghanische Staatschef "ignoriert die Wirklichkeit".

Erst vor einigen Tagen waren US-Kabelberichte bekannt geworden, die Karsai als "schwache Persönlichkeit" beschrieben, der von "Paranoia" getrieben sei.

Wikileaks - "Das Informationsmonopol ist durch Wikileaks gebrochen"