Einen Tag vor einer Vertrauensabstimmung im Parlament hat sich der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor Abgeordneten um Unterstützung bemüht. Die Mitte-Rechts-Regierung habe das hochverschuldete Italien bislang vor dem Schlimmsten bewahrt, sagte Berlusconi. "Es ist Wahnsinn, eine Krise ohne erkennbare Lösungen zu provozieren", sagte der umstrittene Regierungschef, der seit dem Bruch mit Parlamentspräsident Gianfranco Fini ohne eigene Mehrheit in der Abgeordnetenkammer ist. Bei einer Niederlage des konservativen Regierungschefs sind Neuwahlen möglich.

Berlusconi verfügt im Senat, der zweiten Parlamentskammer, über eine Mehrheit und hat dort die Vertrauensfrage gestellt. In der Abgeordnetenkammer hat die Opposition einen Misstrauensantrag gegen den in mehrere Skandale verwickelten Ministerpräsidenten eingebracht. Hier ist der Ausgang der Abstimmung offen. Möglicherweise wird Berlusconi den Abwahlantrag mit einer Stimme Mehrheit abwehren können. Für diesen Fall hat er angekündigt, seine Regierung werde sich Kräften aus der Mitte und der rechten Mitte öffnen. In den vergangenen Tagen hat sich Berlusconis Lager intensiv um die Unterstützung unentschlossener Abgeordneter bemüht.

Berlusconi zeigte sich vor einer Kabinettssitzung zuversichtlich, die Abstimmungen zu gewinnen. "Ich bin wie immer heiter, optimistisch und voller Vertrauen." Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen die wegen der Euro-Krise alarmierten Finanzmärkte die Abstimmung. Eine längere Phase der Unsicherheit oder ein harter Wahlkampf könnten die Aufmerksamkeit auf die angespannte Finanzlage des südeuropäischen Landes lenken. Mit Schulden von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehört Italien zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt. Eine restriktive Ausgabenpolitik und ein konservatives Bankenwesen, das sich in Boomzeiten nicht an Marktexzessen beteiligte, haben bislang politische Erschütterungen wie in Griechenland und Irland verhindert.

"Italien ist nicht länger Teil der europäischen Wirtschaftsprobleme, sondern Teil der Lösung", sagte Berlusconi . Auch bei einem Abstimmungserfolg wird nicht damit gerechnet, dass der milliardenschwere Medienunternehmer die politische Kraft aufbringen kann, um die Reformen des Finanzsystems zu verwirklichen, die etwa die Bank von Italien für notwendig hält.

Mehrere Skandale haben Berlusconis Ansehen in der Öffentlichkeit und in politischen Zirkeln untergraben. Drei Minister sind deshalb zurückgetreten. Für Empörung sorgten außerdem Berlusconis Neigung zu jungen Frauen und die ungelöste Müllkrise in Neapel. Für Dienstag wird zudem eine Entscheidung des Obersten Gerichts über ein Gesetz erwartet, das Berlusconi in seiner Amtszeit Schutz vor Strafverfolgung wegen Korruptionsvorwürfen gewähren soll.