Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat einen Misstrauensantrag der Opposition äußerst knapp abgewehrt. In beiden Parlamentskammern stimmte eine Mehrheit für ihn. Damit kann der 74-Jährige im Amt bleiben.

Zunächst überstand Berlusconi die Abstimmung im Senat : 162 von 308 Senatoren sprachen ihm das Vertrauen aus. Auch das mit Spannung erwartete Misstrauensvotum in der Abgeordnetenkammer konnte der Premier anschließend für sich entscheiden – wenn auch äußerst knapp. 311 Parlamentarier stimmten gegen Berlusconi, 314 votierten für ihn, zwei enthielten sich. 

Wäre Berlusconi bei der Abstimmung im Abgeordnetenhaus gescheitert, hätte er bei Präsident Giorgio Napolitano seinen Rücktritt einreichen müssen. Dies hätte Neuwahlen nach sich ziehen können. 

Ende Juli hatte sich Berlusconi mit seinem früheren Bündnispartner, Parlamentspräsident Gianfranco Fini, überworfen und verfügt seitdem im Parlament über keine Mehrheit mehr. Sein Herausforderer hatte die auch von Berlusconi mitgegründete Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL) verlassen und später die Partei Zukunft und Freiheit für Italien (FLI) gegründet. Wiederholt forderte Fini den Premier zum Rücktritt auf, um damit den Weg für eine neue Mitte-Rechts-Regierung freizumachen. Berlusconi lehnte dies strikt ab. Falls er das Vertrauen nicht mehr bekomme, werde es Neuwahlen geben, sagte er mehrfach. 

Das konnte Berlusconi nun  – wie bereits im September – abwehren. Sein Abstimmungserfolg ist dabei gleichzeitig eine herbe Niederlage für Fini: Mehrere Abgeordnete seiner Partei FLI schlossen sich dem Votum gegen Berlusconi nicht an. Dies gilt auch für die  FLI-Abgeordnete Katia Polidori, die kurz vor der Abstimmung angekündigt hatte, für Berlusconi zu stimmen. 

Dies führte zu Tumulten in der Abgeordnetenkammer. FLI-Parlamentarier wandten sich wütend gegen diese Berlusconi-Treuen. Die Saalordner des Abgeordnetenhauses griffen ein, um eine Prügelei zu verhindern. Fini setzte die Abstimmung deswegen kurzzeitig aus.

Auch vor dem Parlament kam es zu Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Berlusconi-Gegnern und der Polizei .