Es muss wie die Landung Außerirdischer gewirkt haben: In einem Slum, vielleicht zwanzig Kilometer vom mexikanischen Cancún entfernt, schiebt sich eine Karawane aus drei strahlend weißen Shuttle-Bussen über die Buckelpiste. Sie halten neben der örtlichen Grundschule, die aus zwei Baracken besteht, zwischen ihnen eine Fläche aus Beton: der Schulhof. Hunderte von Schulkindern und etliche Eltern bejubeln alsdann den Einzug einer kleinen Delegation, bestehend aus: einem britischen Viscount, zwei kasachischen Delegierten der UN-Klimakonferenz, die gerade in Cancún stattfindet, zwei Amerikanerinnen, die offenbar der Tea-Party-Bewegung nahestehen, ein paar weiteren Delegierten und einigen Vertretern einer NGO namens CFACT. Ein deutscher Journalist war auch dabei. Gerne wäre er in den Boden versunken.

Preisfrage: Was hat dieser Auftritt mit dem Klimawandel zu tun?

Die Frage ist etwas leichter zu beantworten, wenn man weiß, was CFACT ist: Eine Organisation mit Sitz in Washington, die sich "für ein konstruktives Morgen" einsetzt und gern mit der Ölindustrie zusammenarbeitet. Darüber hinaus hängt sie der Ansicht an, dass wenige Dinge eine konstruktive Zukunft so sehr behindern, wie das wahnsinnige Anliegen einiger linker Ökos, den Klimawandel zu bekämpfen und dabei womöglich den Gebrauch fossiler Energieträger zu beschränken.

Ist die Klimapolitik noch zu retten? Alles zum Weltklimagipfel in Cancún © Alfredo Estrella/​AFP/​Getty Images

Als die Busse bei der Schule in La Liberdad eintreffen, hat die kleine Reisegesellschaft bereits ausführlich Gelegenheit gehabt, den Ausführungen von Sir Christopher Monckton über Fragen des Klimawandels und der Weltpolitik im Allgemeinen zu lauschen. CFACT mag bisweilen etwas diffus sein, was die Zusammenarbeit mit der Ölindustrie betrifft. Sir Monckton hingegen macht keinerlei Geheimnis daraus, dass er in diesen Kreisen ein geschätzter Redner ist.

Ansonsten tut man ihm wahrscheinlich kein Unrecht, wenn man sein Weltbild, nun, exzentrisch nennt. Sir Monckton hängt der Ansicht an, dass marxistische Mainstream-Medien in enger Zusammenarbeit mit marxistischen Politikern und korrupten marxistischen Wissenschaftlern eine gigantische Klimaverschwörung angezettelt hätten, deren Ziel nicht weniger als die Weltherrschaft sei. Wie das gehen solle?

Nun, sagt Sir Monckton, all die Hilfsmittel für Klimaopfer in armen Ländern, die unbedarfte Zeitgenossen vielleicht für echte Unterstützung angesichts einer echten Notlage halten könnten, seien doch in Wahrheit nichts als ein gewaltiger Machtfaktor in der Hand einer undemokratischen Institution, der UN. "Permasozialismus" nennt er das Phänomen, das er da entdeckt zu haben meint: Das Heranwachsen gigantischer, nicht legitimierter und nicht steuerbarer Herrschaftsapparate. Typisches Beispiel: Die EU, die er eine "Diktatur" nennt.

Aber Sir Monckton! Die EU ist doch ein freiwilliger Zusammenschluss demokratischer Staaten. Und hier in Cancún verhandeln, jedenfalls im Namen der Demokratien, die Vertreter gewählter Regierungen. Den Viscount irritiert dieser Einwand nicht: Habe sich irgendeiner der Delegierten bei dieser UN-Klimakonferenz denn je einer Wahl stellen müssen? Na also!