Mitgliedsstaaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hatten versucht, den infolge der Präsidentschaftswahl von Ende November entstandenen Machtkampf zu beenden: In Abidjan sprachen sie mit dem international anerkannten Wahlsieger Alassane Ouattara und seinem Widersacher Laurent Gbagbo. Doch die Treffen blieben offenbar ohne konkretes Ergebnis.

Der Staatschef von Benin, Boni Yayi, sowie seine Kollegen aus Sierra Leone, Ernest Koroma, und Kap Verde, Pedro Pires, hatten zunächst den eigenmächtig im Amt gebliebenen Staatschef Gbagbo im Präsidentenpalast getroffen. Nach dem Gespräch präsentierte sich Gbagbo lächelnd und offenbar entspannt der Öffentlichkeit. Einer seiner Berater sagte der BBC, Gbagbo habe den Staatschefs erklärt, er sei demokratisch gewählt und durch die Verfassung anerkannt. Benins Staatschef Yayi sagte lediglich, das Treffen sei "gut verlaufen".

Nach dem Treffen mit Gbagbo fuhren die drei Vermittler zu Ouattara, der sich mit seinen Anhängern in einem Luxushotel in Abidjan verschanzt hält. Ouattaras Sprecher sagte nach dem etwa dreistündigen Gespräch, die Vermittler hätten Gbagbo deutlich gemacht, dass Ouattaras Status als neuer Staatschef "nicht verhandelbar" sei. Es gehe nun darum, die Bedingungen für Gbagbos Abgang auszuhandeln. Ouattara hoffe, dass die Vermittler "schnellstmöglich wiederkommen".

Zum Abschluss ihres Besuchs informierten die Ecowas-Vermittler Gbagbo über ihr Gespräch mit Ouattara. Anschließend flogen Yayi, Koroma und Pires nach Nigeria. In der Haupstadt Abuja wollten sie am Mittwoch dem nigerianischen Staatschef und derzeitigen Ecowas-Vorsitzenden Goodluck Jonathan Bericht erstatten, wie aus Ecowas-Kreisen verlautete.

Die Ecowas hatte Gbagbo vorab mit einem Militäreinsatz gedroht, sollte er die Macht nicht abgeben. Kommt es dazu, dürfte Nigeria als größte Militär- und Wirtschaftsmacht Westafrikas einer der wichtigsten Truppensteller sein.

Die internationale Gemeinschaft sieht in Ouattara den rechtmäßigen Sieger der Präsidentschaftswahl. Die Wahlkommission hatte Ouattara, der Verfassungsrat jedoch  Gbagbo zum Sieger erklärt. Anhänger beider Lager lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen. Aus Angst vor einem neuen Bürgerkrieg flohen nach UN-Angaben etwa 19.000 Menschen in die Nachbarländer Liberia und Guinea.

Der Staatenbund Afrikanische Union hatte bereits einen Vermittler benannt. Der kenianische Ministerpräsident Raila Odinga, der sich kürzlich für den Rückzug Gbagbos ausgesprochen hatte, soll ihn von der Niederlage überzeugen. Er werde jedoch zunächst abwarten, was die Ecowas-Delegation bewirke, sagte Odinga.

Anhänger von Gbagbo attackierten am Dienstag in Abidjan einen Konvoi mit UN-Blauhelmsoldaten. Dabei sei ein Soldat mit einer Machete verletzt worden, teilte die UN-Truppe UNOCI mit. Der Gbagbo ergebene Stabschef der Armee sei eingeschritten, um die Ordnung wiederherzustellen. Gbagbo hat den Abzug der Blauhelme gefordert und den UN vorgeworfen, die mit Ouattara verbundene ehemalige Rebellenbewegung FN aus dem Norden des Landes zu unterstützen. 

Der UN-Sicherheitsrat ermächtigte Generalsekretär Ban Ki Moon, 500 weitere Blauhelmsoldaten einzusetzen. Damit wächst das Kontingent auf fast 10.000 Mann.

Die Gbagbo nahe stehende Jugendbewegung sagte eine für Mittwoch geplante Großkundgebung in Abidjan ab. Damit erhielten die Vermittlungsbemühungen eine Chance, sagte der Anführer und ivorische Jugendminister Charles Blé Goudé. Gbagbos Kritiker nahmen das erleichtert auf.

Die von Ouattara ernannte Regierung rief alle Behördenmitarbeiter auf, mit Gbagbos Regierung nicht zusammenzuarbeiten. Um diese Anweisung umzusetzen, sei ein "Disziplinarausschuss" eingesetzt. Der könne auch juristisch gegen Mitarbeiter vorgehen, die dagegen verstoßen.