Die EU-Staaten haben US-Diplomaten zufolge die Hoffnung auf einen Erfolg der Mission in Afghanistan aufgegeben. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy habe dieses Stimmungsbild in einem Gespräch mit dem Botschafter in Belgien, Howard Gutman, gezeichnet, berichtete die belgische Zeitung Le Soir unter Berufung auf vertrauliche Depeschen des Washingtoner Außenministeriums, die die Online-Plattform Wikileaks vergangene Woche veröffentlicht hatte

"Niemand in Europa glaubt mehr an Afghanistan", sagte van Rompuy demnach am 4. Januar dieses Jahres. Damals schied er gerade aus dem Amt des belgischen Regierungschefs, um EU-Ratspräsident zu werden. " Wir bleiben aus Respekt den Amerikanern gegenüber noch 2010 , das ist es", wird van Rompuy in den Dokumenten weiter zitiert. Die europäischen Verbündeten der USA in Afghanistan wollten "Ende 2010 Ergebnisse sehen". "Aber das ist die letzte Chance." 

Die 27 EU-Staaten stellen entweder Truppen für die Nato-geführte Afghanistantruppe Isaf oder kooperieren auf andere Weise mit den USA in dem Dauerkonflikt am Hindukusch. Die Nato hatte im November auf ihrem Gipfel in Lissabon vereinbart, ihre Kampftruppen bis 2014 aus Afghanistan abzuziehen und die Verantwortung für die Sicherheit im Land vollständig in die Hände der Kabuler Regierung zu übergeben.

Derweil berichtete die New York Times, die US-Regierung glaube, dass viele Millionen Dollar nahezu ungehindert an Extremistengruppen in aller Welt fließen – trotz all ihrer Bemühungen um einen Stopp des Geldflusses. Dies gehe aus geheimen Depeschen hervor, die Außenministerin Hillary Clinton und hochrangige Mitarbeiter verschickt haben. Demnach ist die Regierung frustriert über häufigen Widerstand von Verbündeten im Nahen Osten gegen Versuche, Terroristen und Extremisten wie al-Qaida , den Taliban und der Hamas den Geldhahn zuzudrehen.

In den Dokumenten wird dem Bericht zufolge ein ganzer Katalog von Methoden aufgelistet, die nach Vermutung amerikanischer Regierungsbeamter zur Finanzierung von Terroristen angewendet werden. Sie reichten von einem Bankraub im vergangenen Jahr im Jemen über Entführungen mit Lösegeldforderungen bis hin zu Drogenhandel. Auch bei den jährlichen Mekka-Pilgerfahrten wechsele jede Menge Geld die Hände.

Die Zeitung hebt hervor, dass die Regierung die Fortschritte bei der Bekämpfung des Problems in den Korrespondenzen pessimistischer einschätze als in öffentlichen Erklärungen. So werde in einem geheimen Clinton-Memorandum vom Dezember 2009 beklagt, dass Bewohner Saudi-Arabiens und dessen Nachbarn – allesamt Verbündete der USA –  viele extremistische Aktivitäten finanzierten. Aber saudische Offizielle zu überreden, den Stopp dieser Aktivitäten zu einer Priorität zu machen, sei eine "andauernde Herausforderung". Dabei stellten Geldgeber in dem Land "die bedeutendste Quelle bei der Finanzierung sunnitischer Terrorgruppen weltweit" dar.