Der jüngste Truppenbesuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in Afghanistan – gemeinsam mit seiner Ehefrau Stephanie und Talkshow-Moderator Johannes B. Kerner – hat bei der Opposition, aber auch bei Vertretern des Koalitionspartners FDP für erhebliche Kritik, für Empörung, Spott und Häme gesorgt. So nannte SPD-Chef Sigmar Gabriel die ungewöhnliche Delegation "vollkommen unangemessen". Mit Blick auf das blonde TV-Sternchen Daniela Katzenberger fügte er hinzu: "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch. Da hätten wenigstens die Soldaten was davon."

Auch der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels bemängelte die Reise der Guttenbergs. "Die Soldaten werden für die Show des Ministers instrumentalisiert", sagte er und sprach von einer befremdlichen Inszenierung. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles Nahles hielt zu Guttenberg vor, er mache sich "immer mehr zum Staatsschauspieler". SPD-Fraktionsmanager Thomas Oppermann sagte: "Taliban und Talkshows passen nicht zusammen."

Grünen-Chefin Claudia Roth nannte den Besuch Guttenbergs "plumpe Eigen-PR". Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere der Verteidigungsminister strahlende Bilder mit Gattin im Krisengebiet. Johannes B. Kerner nannte Roth einen "Hofberichterstatter". Ihr Co-Vorsitzender Cem Özdemir sprach von einem "Außenministervertreter der Herzen", der "in Kampfgebieten seine Bildchen macht". Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erklärte, es sei Guttenbergs eigene Entscheidung, ob er aus dem Truppenbesuch vor Heiligabend einen Familienausflug mache. "Allerdings läuft er Gefahr, dass er die Risiken im Einsatzgebiet stark banalisiert."

Kritik kam auch vom Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi. "Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshow-Tross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig", sagte Gysi. Afghanistan sei das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eigne.

In Parlamentskreisen wurde zudem kritisiert, dass Bundestagsabgeordnete teils seit Jahren vergeblich versuchten, an den Hindukusch zu den deutschen Truppen zu reisen. "Dabei sind die Abgeordneten diejenigen, die über den Einsatz der Bundeswehr entscheiden", hieß es. Außerdem hätten die Bundestagsabgeordneten im Gegensatz zur Ministergattin ein Mandat. 

Während die Union Guttenberg in Schutz nahm, gab es aus der FDP auch kritische Töne. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Elke Hoff, mahnte den Minister "zu größerer Zurückhaltung". "Gerade jetzt herrscht unter unseren Soldaten eine große Anspannung, denn zum einen steht der Kontigentwechsel an und zum anderen werden die Soldaten ständig in Gefechte verwickelt." Ihr Parteikollege Hellmut Könighaus, zugleich Wehrbeauftragter des Bundestags, verteidigte dagegen den Besuch. Er sehe "keinen Grund zur Empörung". Die Soldaten würden sich freuen, "dass der Minister nach Afghanistan kommt und deutlich macht, auch seine Familie steht dahinter".

Es ist das erste Mal, dass ein Verteidigungsminister in Begleitung seiner Ehefrau an den Hindukusch reist. Nach Angaben der Bundesregierung geht ihre Mitreise nicht zu Lasten des Steuerzahlers: Die Ministergattin bezahle selbst. Ebenfalls in Guttenbergs Tross war Sat.1-Moderator Kerner, der am Hindukusch eine Talkshow mit dem Minister und Soldaten aufzeichnen wollte. Außerdem waren die CDU-Ministerpräsidenten Niedersachsens und Sachsen-Anhalts mit an Bord, David McAllister und Wolfgang Böhmer.

Medienberichten zufolge reagierten die Soldaten im Bundeswehrlager in Kundus begeistert auf den Auftritt von Stephanie zu Guttenberg, die ihrem Mann klar die Schau stahl. Sie seien an den Hindukusch geflogen, um den Soldatinnen und Soldaten im Vorhinein frohe Weihnachten zu wünschen, sagte die 34-Jährige. Sie und ihr Mann hätten ihren Kindern die Reise in das Kriegsgebiet damit erklärt, dass es viele Soldaten gebe, die ganz allein ohne Familie Weihnachten feiern würden.

Die Reise der Guttenbergs fällt zeitlich zusammen mit anstehenden Entscheidungen über eine Fortsetzung des umstrittenen Afghanistan-Mandats der Bundeswehr . Die Bundesregierung legt diese Woche einen "Fortschrittsbericht" zur Entwicklung in Afghanistan vor. Darin wird für Ende 2011 oder Anfang 2012 der Abzug der ersten Bundeswehr-Soldaten in Aussicht gestellt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will an diesem Donnerstag eine Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan abgeben.