Es werde "umgehend eine schnelle Neuauszählung der Wahlzettel" geben, teilte die Wahlkommission mit. In die Überprüfung sollten die drei bestplatzierten Kandidaten einbezogen werden, hieß es weiter. Die Neuauszählung solle von Mitgliedern der Wahlkommission, Vertretern der betroffenen Kandidaten sowie von nationalen und internationalen Beobachtern überwacht werden.

Am Dienstag hatte die Wahlkommission verkündet, dass der Kandidat der Regierungspartei Inité, Jude Célestin, am 16. Januar in einer Stichwahl gegen die frühere Präsidentengattin Mirlande Manigat antreten werde. Der beliebte Sänger Michel Martelly landete demnach mit nur knapp 7.000 Stimmen Rückstand hinter Célestin auf dem dritten Platz.

In der Hauptstadt Port-au-Prince kam es erneut zu Ausschreitungen. Bei einer Schießerei in der Nähe des Präsidentenpalastes zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident René Préval wurden mehrere Menschen verletzt. Viele Straßen weiter von Barrikaden versperrt. Die Geschäfte waren geschlossen.

Oppositionskandidat Martelly hatte seine Anhänger aufgerufen, nur friedlich gegen den vermeintlichen Betrug bei der Präsidentenwahl zu protestieren. Alle internationalen Fluggesellschaften sagten ihre Flüge nach Port-au-Prince ab.

Die Proteste gegen das offizielle Wahlergebnis, nach dem Martelly aus dem Rennen um die Präsidentschaft ausgeschieden ist, waren am Mittwoch zu einem landesweiten Aufstand gegen die Regierung von Präsident René Préval eskaliert. Viele Tausende Anhänger Martellys, die sich um den Erfolg ihres Kandidaten betrogen fühlen, zündeten in Port-au-Prince die Zentrale der Regierungspartei Inité an. Auch in anderen Städten wurden deren Büros angegriffen und teilweise zerstört. Bei den Unruhen sind bisher vier Menschen ums Leben gekommen.