Die UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún hat alle ausgehandelten Beschlussvorlagen abgesegnet. Nach einer Fortschreibung des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 wurden weitere Maßnahmen beschlossen, darunter ein Waldschutzprogramm sowie ein Fonds für die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen in Entwicklungsländern. Außerdem bekannten sich die Teilnehmerstaaten zu dem Ziel einer "substanziellen Verringerung" der weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050. Das stellte die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa in ihrer Eigenschaft als Konferenzpräsidentin fest. Dabei wurde der Widerstand Boliviens übergangen.

Am Freitagabend hatte sich, entgegen aller Erwartungen, doch Entscheidungen in wichtigen Punkten abgezeichnet, darunter ein Bekenntnis zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen, um die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die entsprechenden Beschlussvorlagen wurden im Plenum mit großem Beifall aufgenommen. Nur die Regierung von Bolivien hatte mit einem Veto gedroht, weil die Texte keine hinreichenden Klimaschutzmaßnahmen vorsehen würden. Die Delegation Boliviens begründete ihre Einwände damit, dass auf Basis der vorliegenden Angebote zur Emissionsminderung eine Erderwärmung um drei bis vier Grad zu befürchten sei. Dieses Problem wurde auch von anderen Delegationen angesprochen, mit seinem Widerstand gegen die geplanten Beschlüsse stand Bolivien im Plenum jedoch alleine. 

Die mexikanische Präsidentin des Klimagipfels, Patricia Espinosa, hatte zuvor zwei Kompromisspapiere vorgelegt: Das Erste umfasst die Fortführung des Kyoto-Protokolls, das Zweite auch die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Beide Papiere könnten zusammen zu einem neuen Weltklimavertrag führen.

Den Abschlussdokumenten müssen eigentlich alle 194 Teilnehmerstaaten zustimmen. Schon in den Vortagen hatte Boliviens Präsident Evo Morales betont, sein Land werde keine weiteren leeren Formelkompromisse mittragen. Eigentlich hätte die Konferenz Freitagnachmittag enden sollen.

An einem einzelnen Land dürfe eine Einigung nicht scheitern, hieß es aus der deutschen Delegation. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte bereits vor der Annahme des Kompromisses verlauten lassen, es sei ein sehr großer Erfolg, wenn die vorliegenden Papiere so verabschiedet würden. Die mexikanische Präsidentschaft des Gipfels habe einen Schuss freigehabt, "und der hat gesessen". Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa sprach von "bedeutendem Fortschritt".

In dem von der mexikanischen Präsidentschaft präsentierten Text zur Klimarahmenkonvention wird eine Verringerung der weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 verlangt. Ein konkretes Ziel dafür soll auf der nächsten Klimakonferenz Ende 2011 im südafrikanischen Durban festgelegt werden. Bis 2015 soll eine Revision der bis dahin geltenden Ziele erfolgen, mit der Option, sich dann für eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad zu entscheiden.

Dieser Beschlussentwurf betrifft nicht nur die Staaten des Kyoto-Protokolls, sondern auch die USA, China und alle übrigen wichtigen Emittenten von Treibhausgasen. In einer "gemeinsamen Vision" sollen sich die beteiligten 194 Staaten neben der Emissionsminderung gleichermaßen zur Anpassung an Klimafolgen bekennen, außerdem zu deren Finanzierung und zum Technologietransfer.

Zudem soll mit Hilfe der Weltbank ein Grüner Klimafonds etabliert werden, um arme Länder etwa bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Insgesamt sehen es die Länder nach dem Entwurf als nötig an, dass bis 2020 jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro) Klimahilfsgeld zusammenkommt.

Cancún war von vorneherein als Zwischenkonferenz gedacht, die den Weg zu einem Klimavertrag vorbereiten soll. Vertreter fast aller Staaten lobten die Papiere ausdrücklich, genauso wie die transparente Verhandlungsführung Espinosas. Sie sprach angesichts der konzentrierten, ergebnisorientierten Arbeit der Staaten von "einem neuen Geist des Multilateralismus", der von Cancún ausgehen könnte.

"Die Zukunft unseres Landes hängt von dem ab, was wir hier beschließen", hatte zuvor auch der Vertreter der Malediven um Zustimmung zu den Texten geworben, die den Klimaschutzprozess weiterführen sollen. "Wir sind mit der Hoffnung auf ein ausbalanciertes Paket hierher gekommen", sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. "Das ist in Cancún erreicht worden."