Der amtierende Regierungschef Hashim Thaci hat nach der ersten Parlamentswahl im Kosovo seit der Unabhängigkeit den Sieg für seine PDK-Partei reklamiert. Noch vor der Veröffentlichung offizieller Ergebnisse beglückwünschte er seine Anhänger. "Der Sieg gehört uns", sagte Thaci nach einem Bericht der Zeitung Koha Ditore in einer Fernsehansprache. Es sei ein Sieg der Demokratie und der demokratischen Werte.

Laut Wählerbefragungen liegt Thacis PDK mit 31 Prozent der Stimmen in Führung. Wie das Institut Gani Bobi am Sonntagabend in Pristina weiter mitteilte, kommt die wichtigste Oppositionskraft, die Demokratische Liga (LDK) von Pristinas Bürgermeisters Isa Mustafa, mit 25 Prozent auf den zweiten Platz. Drittstärkste Kraft wurde der umstrittenen Umfrage zufolge nach die erstmals angetretene nationalistische Studentenbewegung Vetevendosja (Widerstand) mit 15 Prozent, die wegen ihres Extremismus bisher für keine Partei koalitionsfähig ist.

Der Präsident des Umfrageinstituts, Shkelzen Maliqi, schränkte die Aussagekraft seiner Ergebnisse allerdings ein. Diese zeigten nur Tendenzen. "Wir glauben, dass unsere Zählung exakt ist, aber sie könnte auch falsch sein." Die Fehlermarge betrage 2,5 Prozent nach oben und unten. Sein Institut befragte 2200 Wähler nach ihrer Stimmabgabe. Die staatliche Wahlkommission in Pristina wollte im Laufe des Tages Ergebnisse veröffentlichen.

Ein Sprecher der oppositionellen LDK bestritt die vom Institut vorgelegten Zahlen. Seine Partei läge in Führung; dies stütze sich auf die Auszählung von 60 Prozent der Stimmen.

Sollten sich diese Zahlen bestätigen, ist mit einer schwierigen Regierungsbildung zu rechnen. Die beiden in der Befragung erstplatzierten Parteien bildeten bisher gemeinsam eine Koalitionsregierung, sind aber inzwischen tief zerstritten. Der damalige LDK-Vorsitzende Fatmir Sejdiu war als Staatspräsident zurückgetreten und hatte seine Minister aus der Regierung abgezogen. Deshalb waren vorzeitige Parlamentswahlen nötig geworden .

Auf den vierten Platz kam der Befragung zufolge die AAK des früheren Rebellenführers Ramush Haradinaj. Ihm wird zurzeit am UN-Tribunal in Den Haag der Prozess wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gemacht. Auch Haradinaj hat ein schlechtes Verhältnis zu Thacis PDK. Die beiden Parteivorsitzenden sind die bekanntesten Rebellenführer aus dem Bürgerkrieg Ende der neunziger Jahre und traditionell verfeindet. Alle anderen Parteien scheiterten der Befragung zufolge an der Fünf-Prozent-Hürde.

Trotz der Spannungen zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der kleinen serbischen Minderheit verlief die Abstimmung am Sonntag nach Angaben der staatlichen Wahlkommission ohne Zwischenfälle.

Die USA und die EU hatten mit der Parlamentswahl die Hoffnung auf die Aufnahme des von Brüssel vermittelten Dialogs mit Serbien verknüpft. Während Pristina nur über die Lösung zwischenstaatlicher Probleme verhandeln will, strebt Belgrad die Wiedereingliederung seiner abgespaltenen früheren Provinz in seinen Staatsverband an. Das Kosovo ist heute von über 70 Staaten anerkannt, darunter von der Mehrheit der EU-Länder, den USA, Japan, Kanada, der Türkei und Saudi-Arabien.