Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hatte die Bundesregierung kurz vor dem EU-Gipfel noch einmal ermahnt : Er wünsche sich von Deutschland und Frankreich im Streit um die künftige Euro-Strategie weniger "Arroganz" und stattdessen ein Bekenntnis zur europäischen Zusammenarbeit. Die Bundeskanzlerin hält diese Kritik für unbegründet: "Deutschland diktiert niemandem etwas", sagte die Kanzlerin der Bild- Zeitung .

Damit hatte sie vor allem die Diskussion um die Einführung gemeinsamer Euro-Anleihen im Blick. Luxemburg macht sich für dieses Instrument stark, um künftige Finanzkrisen im Euro-Raum zu verhindern. Die Bundesregierung lehnt diese so genannten Euro-Bonds ab . Sie argumentiert, derartige Gemeinschaftsanleihen könnten Deutschland Milliarden kosten, da die Zinsbelastung höher wäre als bei rein nationalen Staatsanleihen. Zudem befürchtet Berlin, die Euro-Bonds minderten den Druck auf einige Länder, sich selbständig um einen ausgeglichenen Haushalt und niedrige Zinsen zu bemühen.

Wegen dieser Differenzen werden Beschlüsse zu den Euro-Bonds auf dem an diesem Donnerstag startenden EU-Gipfel ausgeklammert. Die Staats- und Regierungschefs der Union wollen auf ihrem Treffen in Brüssel beraten, wie die Gemeinschaftswährung besser abgesichert werden kann. Es geht um einen dauerhaften Auffangschirm für kriselnde Euro-Staaten ab 2014. Auf deutschen Wunsch hin soll der EU-Gipfel beschließen, den vor einem Jahr in Kraft getretenen Lissabonner Reformvertrag zu ergänzen, um diesen Krisenmechanismus rechtlich zu verankern.

Merkel appellierte an die Staats- und Regierungschefs, auf dem Gipfel Geschlossenheit zu zeigen. Dadurch werde deutlich: "Der Euro steht für keinen von uns infrage. Spekulanten haben keine Chance." Deutschland sei gut durch die Wirtschaftskrise gekommen, weil die Menschen keine Angst gehabt und große Gelassenheit gezeigt hätten. "Diese Entschlossenheit und Zuversicht brauchen wir jetzt weiter. An Europa und den Euro zu glauben, sich nicht beirren zu lassen, ist schon die Hälfte der Lösung", sagte Merkel.

Ihren Streit mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker über die Euro-Bonds erklärte die Kanzlerin für beendet. Sie hätte mit Juncker ausführlich telefoniert und "die Sache längst ausgeräumt. Wo es um so viel geht, spielen eben auch Emotionen mal eine Rolle." Juncker hatte der CDU-Politikerin "simples Denken" und uneuropäisches Verhalten vorgeworfen, weil sie seine Idee der Euro-Bonds ablehnt.

Auch Juncker bemühte sich, den Eindruck von Meinungsverschiedenheiten mit Merkel zu entkräften. Wenn es darum gehe, ein Instrument gegen grundlegende Probleme im Euroraum zu schaffen, dann gebe es da "überhaupt keinen Dissens zwischen den Mitgliedstaaten der Eurozone oder zwischen Frau Merkel und mir", sagte Juncker. Er ergänzte: "Ich bin sehr dafür, dass wir in Europa dazu kommen, in der Eurozone dazu kommen, Solidität mit Solidarität in Einklang zu bringen". Sein Vorschlag von Eurobonds sei denn auch kein Freibrief, der es Staaten erlaube, sich über die europäischen Stabilitätsregeln hinwegzusetzen. Er halte dieses Instrument aber weiter für eines, mit dem auf die "systemische" Krise im Euroraum geantwortet werden könne.

Indes: Ganz versöhnt scheint der luxemburgische Premierminister noch nicht. Denn Juncker, zugleich auch Euro-Gruppen-Chef, warf den EU-Staats- und Regierungschefs vor, bei EU-Entscheidungen "allzu sehr Rücksicht auf die innenpolitische Agenda" zu nehmen. Gipfelbeschlüsse hätten "Anlass zu Marktturbulenzen gegeben". Für eine engere wirtschaftspolitische Abstimmung in der Währungszone reichten Treffen der Euro-Finanzminister nicht aus. Deshalb müssten Gipfeltreffen der Euro-Staaten einberufen werden.