Djukanovic sagte, er sei amtsmüde und strebe nun eine Karriere in der Wirtschaft an. Montenegro sei ein stabiles Land und stehe vor den Toren der EU und der Nato, deswegen könne er sich jetzt zurückziehen. Seinen Posten als Vorsitzender der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) will Djukanovic aber behalten.

Djukanovic steht seit 1991 an der Spitze Montenegros. Nach dem Zerfall Jugoslawiens war er Premierminister des montenegrinischen Teils von Serbien-Montenegro, seit der Unabhängigkeit vor vier Jahren ist er Ministerpräsident von Montenegro.

Die Regierung des Adria-Staates soll nun vollständig umgebildet werden. Als seinen Nachfolger schlug Djukanovic Finanzminister Igor Lukšić vor. "Ich bin mir sicher, dass Lukšić die Fähigkeiten dazu hat", sagte er. Das Parlament müsse der Personalie noch zustimmen. Da die Regierungspartei dort die Mehrheit hat, gilt dies jedoch als sicher. Mit dem Rückzug des dienstältesten Regierungschefs auf dem Balkan könnten auch die Chancen Montenegros steigen, bald in die EU aufgenommen zu werden.

Das erst seit vier Jahren selbstständige Montenegro gilt wegen der organisierten Kriminalität, einem politisch manipulierten Justiz- und Polizeiapparat sowie der Korruption im großen Stil als Sorgenkind der internationalen Gemeinschaft. Der designierte neue Regerungschef Lukšić  ist bei internationalen Finanzorganisationen, der EU und den USA ein anerkannter Mann. Obwohl der 34-Jährige als Kassenwart des Staatshaushaltes Zugang zum  Geld des kleinen Adrialandes besaß, haben ihn auch Regierungskritiker nie irgendwelcher Unregelmäßigkeiten bezichtigt.

Der in der Sache bestimmt, doch im Ton umgänglich auftretende Lukšić ist daher die Hoffnung der bisher kaum sichtbaren Reformkräfte im Land. Seit vergangener Woche gehört Montenegro zu den EU-Beitrittskandidaten. Die EU hat sieben Felder identifiziert, in denen ganz besonders Reformbedarf besteht. Darunter sind die Polizei, die Justiz, die Medienszene, der staatliche Verwaltungsapparat und der Kampf gegen die organisierte Kriminalität und die alles beherrschende Korruption.

Beobachter sind sich aber nicht sicher, inwieweit Lukšić freie Hand zum Regieren haben wird. So sei entscheidend, ob der langjährige Geheimdienstchef Duško Marković den 34-Jährigen unterstützen wird und ob der scheidende Regierungschef Djukanovic seinen Nachfolger gewähren lässt.

Djukanovic hatte sich bereits 2006 kurzzeitig aus der Politik zurückgezogen. Seine Gegner werfen dem 48-Jährigen vor, den Kampf gegen Kriminalität und Korruption nicht entschieden genug vorangetrieben zu haben.

Der amtierende Regierungschef ist der einzige Politiker auf dem westlichen Balkan, der sich seit dem Zerfall Jugoslawiens fast ununterbrochen an der Macht gehalten hat. Er machte zunächst in der kommunistischen Partei Karriere. Kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens wurde er 1991 im Alter von  29 Jahren mit Unterstützung des damaligen serbischen Staatschefs Slobodan Milošević Regierungschef von Montenegro. Im Verlauf der Kriege in der Region in den 90er Jahren distanzierte er sich zunehmend von Milošević, brach mit der kommunistischen Ideologie und setzte sich für eine Unabhängigkeit Montenegros ein. 2003 unterzeichnete er aber auf Druck der europäischen Staaten ein Abkommen, dass die Schaffung von Serbien-Montenegro besiegelte. 

2006 stimmte die Bevölkerung Montenegros dann in einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit ihres Landes , es war der größte Erfolg in der politischen Karriere Djukanovics. Wenige Monate nach dem Volksentscheid trat er zurück. Er begründete dies mit Müdigkeit und dem Wunsch, sich in der Privatwirtschaft zu betätigen. Nur 16 Monate später kehrte er aber in das Amt zurück, nachdem sein Nachfolger Željko Šturanović wegen schwerer Krankheit zurücktreten musste.

Djukanovic war fünfmal Regierungschef seines Landes und einmal, von 1998 an, Präsident. In der Vergangenheit warf ihm die italienische Justiz vor, in den internationalen Zigarettenschmuggel verstrickt zu sein. Ein Gericht in Bari ließ die Vorwürfe gegen ihn aber 2008 fallen, nachdem er freiwillig nach Italien gereist war und dort vor den Ermittlern ausgesagt hatte.