Angeblich wollten die zwölf Terrorverdächtigen im Alter zwischen 19 und 48 Jahren in Kürze einen Anschlag verüben. An Heiligabend nahm die niederländische Polizei die Männer aus Somalia fest. Zuvor hatte der Geheimdienst AIVD konkrete Hinweise erhalten, teilte die Staatsanwaltschaft am ersten Weihnachtstag mit. 

Sechs der Männer wohnten den Angaben zufolge in Rotterdam. Fünf hätten keinen festen Wohnsitz und einer der Somalier sei aus Dänemark angereist. Neben den Festnahmen durchsuchten Beamte einer Spezialtruppe auch vier Wohnungen und einen Telefonshop in Rotterdam sowie zwei Motelzimmer in Gilze-Rijen im Süden des Landes. Dabei seien allerdings weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden.

Wann und wo die Somalier angeblich zuschlagen wollten, teilten die Behörden nicht mit. Die Vernehmungen der zwölf Verdächtigen halten noch an. Spätestens in drei Tagen sollen sie einem Richter vorgeführt werden, der entscheiden muss, ob sie weiter in Haft bleiben. Weitere Festnahmen seien vorerst nicht geplant, sagte der Sprecher.Ihren Pflichtverteidigern wurde bis auf weiteres untersagt, Mitteilungen an die Presse zu geben. Mehrere der Terrorverdächtigen hätten die niederländische Staatsbürgerschaft, sagte ein Polizeisprecher. Der Geheimdienst AIVD hatte bereits im vergangenen Jahr vor extremistischen Gruppen in Somalia sowie im Jemen gewarnt. Diese könnten auch für die Niederlande gefährlich werden. Zuletzt waren im Juli 2009 in Kenia drei Somalier mit niederländischen Pässen sowie ein Marokkaner mit einer niederländischen Aufenthaltsgenehmigung festgenommen worden. Die Männer wollten sich der somalischen  Extremisten-Gruppe Al Shabaab anschließen.

Islamische Fanatiker rufen seit Monaten zu Gewalttaten in den Niederlanden auf – als Rache für Aussagen des Islamgegners Geert Wilders . Der Chef der rechtspopulistischen Partei für Freiheit (PVV), die als Mehrheitsbeschafferin indirekt an der Regierung in Den Haag beteiligt ist, hat immer wieder Muslime in aller Welt provoziert. Mehrfach verglich Wilders etwa den Koran öffentlich mit Hitlers Mein Kampf , beschimpfte den Islam als "faschistische Ideologie" und dessen Propheten als "Barbaren, Massenmörder und Pädophilen".

Der Politiker erklärte am Samstag, die Festnahmen in Rotterdam zeigten "die enorme Verwundbarkeit der Niederlande und des gesamten freien Westens" durch den Terrorismus. "Wir dürfen das nicht bagatellisieren, sondern müssen mit allen verfügbaren Mitteln knallhart dagegen vorgehen."

Im September hatten Medien über Aufrufe eines prominenten Hassprediger an Muslime in Holland berichtet, Wilders zu enthaupten. Der Rechtspopulist habe Muslime und ihren Propheten beleidigt und müsse dafür sterben, erklärte der libanesisch-australische Islamfanatiker Feiz Muhammed der Zeitung De Telegraaf zufolge in islamistischen Internet-Chatrooms. In den Niederlanden erinnerten sich dadurch viele an die brutale Ermordung des islamkritischen Regisseurs Theo van Gogh . Ein niederländischer Fanatiker hatte ihn am 2. November 2004 in Amsterdam niedergeschossen. 

Die offizielle Terrorwarnung für die Niederlande, die seit längerem auf "begrenzt" und damit auf der zweiten von vier Stufen steht, wurde nicht erhöht. Eine akute Bedrohung habe durch die Festnahmen abgewendet werden können, sagte ein Sprecher der Behörde für die Koordinierung der Terrorismusbekämpfung (NCTB). Daher ändere sich die Warnstufe nicht.