Die Sorgen der USA um die Instabilität der Atommacht Pakistan sind größer als bislang bekannt. Dies geht aus internen Dossiers der US-Botschaft an das Außenministerium in Washington hervor, die von der Internetplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Nach einem Bericht der New York Times fürchtete der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari sogar einen Putsch seines eigenen Militärs. Zardari habe im Januar 2009 dem damaligen designierten US-Vizepräsidenten Joe Biden gesagt, er sei besorgt, dass ihn die Streitkräfte "aus dem Weg räumen" könnten. Ob er damit einen Putsch meinte oder gar seine eigene Ermordung, blieb unklar.

Im Hinblick auf die Atomwaffen seien die größte Sorge der USA nicht militante Islamisten, die eine komplette Atomwaffe stehlen könnten, schrieb die US-Botschafterin in Islamabad, Anne Patterson, laut Guardian Anfang 2009 nach Washington. "Sondern dass jemand, der in den Anlagen der pakistanischen Regierung arbeitet, nach und nach genug Material rausschmuggelt, um dann irgendwann eine Waffe zu bauen."

Wie Spiegel Online berichtet , zeigt ein Schriftwechsel der US-Diplomaten von 2008 zur bevorstehenden Freilassung des umstrittenen pakistanischen Atomwissenschaftlers Abdul Qadeer Khan, wie schwer es Washington falle, Einfluss auf den Verbündeten zu nehmen. Khan, der auch als "Vater der islamischen Atombombe" bekannt ist, hatte zugegeben, seine Kenntnisse an Libyen, Nordkorea und Iran weitergegeben zu haben. 2004 war er auf Druck der USA unter Hausarrest gestellt worden. "Machen Sie deutlich, dass Washington die Freilassung von A.Q. Khan äußerst missbilligt, drängen Sie die Regierung von Pakistan, ihn weiterhin unter Hausarrest zu halten", heißt es in einer Nachricht der damaligen US-Außenministerin Condoleezza Rice an Botschafterin Patterson in Islamabad.

Als ein Gericht im Februar 2009 Khans Hausarrest mit sofortiger Wirkung aufhob, habe die Nachricht Präsidenten Zardari völlig unvorbereitet getroffen, berichtete Patterson. Sie habe sich erbost über die "beständige Koordinationslosigkeit" der Regierung in Islamabad geäußert. Auf ihren Protest hin garantierten ihr aber Zardari und sein Innenminister, "eine Rechtsgrundlage für Khans weiteren Arrest zu schaffen".

Nach Ansicht Pattersons wird Pakistan auch niemals komplett mit den Taliban in Afghanistan brechen. Durch die Kontakte zu den Islamisten wolle man sich in Islamabad den Einfluss in dem Nachbarland auch für die Zeit nach dem Abzug der internationalen Truppen und mit Blick auf den Erzrivalen Indien sichern.

Die Depeschen, aus denen zitiert wird, gehören zu rund 250.000 vertraulichen oder geheimen Korrespondenzen von US-Diplomaten , die die Internetplattform Wikileaks veröffentlicht und vorab an verschiedene Medien zur Auswertung weitergegeben hat.