Die Innenminister von Deutschland und Frankreich haben den geplanten Beitritt Bulgariens und Rumäniens zum sogenannten Schengen-Raum im Mai 2011 als "verfrüht" bezeichnet. In einem Brief an EU-Kommissarin Cecilia Malmström verweisen auf die mangelnden Fortschritte Bulgariens und Rumäniens im Kampf gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität. 

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, Berlin und Paris seien "grundsätzlich für den vollständigen Schengen-Beitritt" Bulgariens und Rumäniens. Die EU-Kommission habe aber in beiden Ländern "Mängel" im Bereich der Justiz sowie bei der Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität festgestellt. Offene Grenzen zu Rumänien und Bulgarien ab Mitte kommenden Jahres könnten daher "gravierende Konsequenzen für die innere Sicherheit der EU haben". Eine Entscheidung zu einem Schengen-Beitritt könne daher erst getroffen werden, wenn es "erkennbare und nachhaltige Fortschritte" gebe.

Rumänien und Bulgarien waren 2007 der EU beigetreten – zunächst mit eingeschränkten Freizügigkeitsrechten. Anfang Januar 2011 sollen EU-Experten über einen möglichen Schengen-Beitritt der beiden Länder berichten. Die Mitgliedsstaaten müssen dann einstimmig entscheiden. Der Schengen-Raum umfasst derzeit 22 EU-Länder sowie Norwegen, Island und die Schweiz, in ihm leben mehr als 400 Millionen Menschen. Bürger können im Schengen-Raum ohne Passkontrollen reisen.

Rumänien reagierte empört. Staatschef Traian Băsescu bezeichnete den deutsch-französischen Brief als einen "Akt der Diskriminierung gegen Rumänien". Sein Land werde es nicht dulden, diskriminiert zu werden, auch nicht von den "mächtigsten Staaten der Europäischen Union", sagte er. Zwar gebe es in seinem Land Schwierigkeiten etwa im Justizsystem oder mit Korruption. Dies könne aber kein Hinderungsgrund für einen Beitritt zum Schengen-Raum sein; für Rumänien müssten die gleichen Regeln gelten wie für alle anderen Länder auch.

Eine Sprecherin des bulgarischen Außenministeriums in Sofia sagte hingegen, ihre Regierung werde "alles tun, um die Zweifel zu zerstreuen". Bulgarien werde bis März die Voraussetzungen erfüllen.