Kabang Mela Leju ist eine schlanke, sehr lebhafte Frau. Wenn sie lacht, was sie oft tut, blinkt ein Goldzahn. Sie gehört zum Volk der Bari, dass der Südsudanesischen Befreiungsarmee immer skeptisch gegenüber stand, klingt aber wie eine sehr überzeugte Parteisoldatin. Sie trat mit 18 Jahren in die Armee ein. Auch ihr Sohn wurde als Jugendlicher Soldat und stieg bis zum Leibwächter von John Garang, dem jahrelangen SPLA-Führer auf.

"Was haben Sie in der SPLA gemacht?"

"Ich war in der Infanterie."

"Haben Sie gekämpft?"

"Nein, ich habe in der Verwaltung gearbeitet. Aber viele anderen Frauen haben gekämpft."

Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass sie offenbar als Dienstbotin eingesetzt war.

"Warum sind Sie zur Armee gegangen?"

"Um unser Land gegen die Araber zu verteidigen. Sie haben uns unser Land genommen, unsere Kinder und unser Vieh geraubt. Sie haben Jungen in den Norden geschleppt und dort wie Frauen benutzt."

Von Khartum ausgerüstete Reitermilizen haben im Südsudan – wie später in Darfur – zahlreiche Gräueltaten verübt. Sie massakrierten Zivilisten, vergewaltigten Frauen, stahlen riesige Viehherden und entführten Minderjährige in den Norden. Mädchen wurden oft als Dienstsklavinnen missbraucht und vergewaltigt. Jungen wurden zur Arbeit als Viehhirten gezwungen. Der Vorwurf, Araber hätten Jungen vergewaltigt ("wie Frauen benutzt"), fachte den ohnehin schon enormen Hass der Südsudanesen auf den Norden zusätzlich an.

"Wären Sie gern in der Armee geblieben?"

Leju zögert.

"Ich will ein ziviles Leben. Im Militär muss man ständig von einem Ort zum nächsten ziehen. Ich will in einer Stadt bleiben."

"Haben Sie Familie?"

"Mein Mann ist mit seinen drei anderen Frauen nach Rumbek gezogen. Ich bin jetzt allein hier. Meine Tochter ist bei der Polizei. Aber sie hat selbst Familie und kann mir nicht viel helfen."

"Was ist mit Ihrem Sohn?"

"Der ist tot. Er ist mit Garang abgestürzt." (John Garang kam am 30. Juli 2005, nur wenige Wochen nach dem Friedensabkommen mit dem Regime in Khartum, bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben)

"Wovon leben Sie?"

"Ich verkaufe Tee an der Straße."

"Kann man davon leben?"

"Man muss."

"Hat man Ihnen schon einen Kurs zur Reintegration angeboten?"

"Nein, ich warte seit Dezember."

"Was würden Sie gern machen?"

"Ich würde gern Abgeordnete im südsudanesischen Parlament werden. Im Parlament sind jetzt Extra-Sitze für Frauen reserviert."

"Können Sie lesen und schreiben?"

"Nein. Ich müsste erst mal in die Schule."