Joyce Kaji weiß ihr Alter nicht. Körperlich sieht sie aus, wie gerade in die Pubertät gekommen. Ein untersetztes Mädchen mit abrupten Gesten und Kopfbewegungen. Die Verhaltensstörungen sind offensichtlich.

Ihre rechte Hand ist verkrümmt, der Mittelfinger fehlt, Spuren eines Luftangriffs der sudanesischen Armee, bei dem ihre Eltern und ihr Bruder getötet wurden. Seitdem, sagt sie, sei sie bei der SPLA gewesen, oft im Fronteinsatz.

Es bereitet ihr offenbar große Schwierigkeiten, Ereignisse zu erinnern. Immer wieder macht sie eine frustrierte Handbewegung, als sei ihr ein Tier entwischt.
"Mein Kopf kann manchmal nicht mehr denken",  sagt sie.

"Haben Sie Alpträume?"

"Nein. Es wird einfach dunkel in meinem Kopf, alles wird schwarz. Manchmal falle ich dann um."

"Haben Sie Schmerzen?"

"Mein Kopf tut sehr weh."

Sie wurde im Dezember 2009 aus der Armee entlassen – gegen ihren Willen. Seither lebt sie bei einem Onkel in Juba. Sie bräuchte dringend psychologische Betreuung. Aber in Juba gibt es keine Fachkräfte. Fünf Jahre nach Abschluss des Friedensabkommens existiert in einer der weltweit am schwersten traumatisierten Regionen keinerlei psychosoziale Betreuung.

Joyce Kaji kommt immer wieder zum Büro der DDR-Kommission, wo ihr aber niemand helfen kann. Vor einigen Wochen hat sie in einem Verzweiflungsanfall das Mobiliar zertrümmert und Akten zerrissen. Erst vier Polizisten gelang es, sie niederzuringen. Die Leiterin der Kommission hat sichtlich Mitleid mit dem Mädchen, aber auch  Angst vor der seiner Gewalttätigkeit. "Zu viel Wut für einen Menschen", sagt sie.